Was machen wir heute? : Sparsam leben

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Das seit Monaten andauernde, unwürdige Geschacher der Parteien um die Hartz-IV-Reform führt auch bei uns zu Diskussionen am Familientisch. Charlotte kann sich nicht vorstellen, wie man von den Regelsätzen lebt. Dabei ist das der Alltag von mehr als 300 000 Haushalten in Berlin. Wir beschließen, in einem kleinen Bereich des täglichen Lebens die Probe auf’s Exempel zu machen. Unser Speiseplan soll sich eine Woche lang am Hartz-IV-Budget orientieren.

Ungefähr 3,50 Euro sind für das tägliche Essen eines Jugendlichen zu veranschlagen. Eine heiße Schokolade bei Starbucks ist teurer, stellt Charlotte ernüchtert fest. Für unsere dreiköpfige Familie stehen 12 Euro zur Verfügung. Mein Ehrgeiz besteht darin, so zu kochen, dass es nicht viel anders ist als sonst. Außerdem möchte ich nicht gänzlich auf Bio-Produkte verzichten oder am Latte Macchiato zum Frühstück sparen. Also wird genau geplant und gerechnet, was auf den Tisch kommen kann. Meine erste Erkenntnis ist, dass das tägliche warme Essen das geringste Problem ist. Viel schwieriger ist es, die Zwischenmahlzeiten zu kalkulieren. Jeder Apfel und jede kleine Süßigkeit zwischendrin müssen berechnet werden. Aber am Ende unserer Woche haben wir tatsächlich zehn Euro übrig. Wir müssen ja kein Geld zurücklegen für den Fall, dass die Waschmaschine kaputtgeht oder Charlotte neue Turnschuhe braucht. Uns kommt zudem entgegen, dass wir zwar gerne essen, aber nicht wirklich viel. Ob ich meine Neffen, die immer großen Hunger haben, satt bekommen hätte, da bin ich mir nicht so sicher.

Tja, und was machen wir mit unserem Überschuss. Wir wollen doch Herrn Sarrazin nicht enttäuschen. Wir investieren das Geld in Alkohol, genauso wie es seinem Klischee von Hartz-IV-Empfängern entspricht, und stoßen in einer Kneipe mit einem Bierchen und einem Glas Wein auf unsere sparsame Haushaltsführung an. Und der Starbucks-Kakao wär auch noch drin gewesen. Sigrid Kneist

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