Was machen wir heute? : Sprühen

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Ich raste über die Autobahn, es war dunkel, die Luft gefror auf der Scheibe zu blickdichten Schlieren, ich betätigte den Knopf für die Scheibenwasserspritzanlage, aber es kam nichts. Der Scheibenwasserspritzbehälter war leer. Ich seufzte. Ich raste über die Autobahn, und mir fror die Scheibe zu. Hilfe! Ich fuhr dem nächsten noch sichtbaren Lkw dicht auf seine funzeligen Rücklichter auf und folgte ihm nahezu blind bis zur nächsten Tankstelle. Dort kaufte ich Frostschutzwasser und ein Spray, mit dem man Scheiben eisfrei bekommt. Ich schüttelte die Dose und sprühte und siehe da: Das Eis zerfiel zu Tropfen, Scheibe frei, toll.

Tags darauf machte ich mich daran, mein Schuhwerk winterfest nachzurüsten. Ich stellte Stiefel und Stiefeletten auf den Balkon und zückte das Imprägnierspray und den Wasserwegsprayschaum. Beide Dosen schüttelte ich wie wild und besprühte die Schuhe, bis sie troffen vor lauter Winterfestigkeit.

Dann stellte ich die Dosen zurück in den Besenschrank, wo sie zusammen mit dem Autofensterfrostfreispray, dem Herdsauberspray, dem Vorwasch-, dem Bügelspray und dem Glasreinigungsspray in einer Reihe standen und irgendwie aggressiv einsatzbereit aussahen. Ich wandte mich irritiert ab, um ein Stück Kuchen mit Sprühsahne anzureichern, nicht ohne zuvor meine Frisur mit Haarspray verklebt zu haben.

Und dann fiel mir plötzlich siedend heiß ein, dass es Zeiten gab, in denen sprühen ganz verpönt war. Das war Mitte der 80er Jahre oder so und das Signalwort, das eigentlich mehr eine Lautsammlung ist, hieß: FCKW. Fluorchlorkohlenwasserstoff. Das hat sich eingebrannt in mein Gehirn. FCKW, das Gas, das die Ozonschicht zerstört, weshalb es plötzlich ein Ozonloch gab und wir quasi dem Untergang geweiht waren. Das ist bisher zwar nicht passiert, und FCKWs wurden dann ja auch verboten. Aber ob ich im Winter das Auto nicht meiden und dafür die Sahne schlagen sollte, ist damit nicht beantwortet. Ariane Bemmer

Die Urania hilft heute nach: Um 19 Uhr 30 beginnt der Vortrag „Das Ozonloch – Immer noch eine Gefahr?“

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