Was machen wir heute? : Standfest bleiben

Wie ein Neuberlinerdie Stadt erleben kann

Till Hein

Wir werden dieses Jahr schon irgendwie über die Bühne bringen, oder? Vorsorglich war ich beim Arzt. Ich hatte Keuchhusten und ein Stechen in der Brust. Wahrscheinlich Lungenentzündung. Der Doktor drückte mir seinen Zeigefinger zwischen die Rippen. „Tut das weh?“ Ich überlegte. „Geht so“, sagte ich. Der Arzt nickte. „Jetzt hau ich Ihnen mal in die Nieren“, sagte er und schlug zu. Aus Basel kannte ich dieses Diagnoseverfahren nicht. „Und? Ist es Lungenentzündung?“, japste ich, um die Untersuchung abzukürzen. Der Arzt schüttelte den Kopf. „Ihre Lunge ist in Ordnung“, sagte er. „Sie sind nur verspannt.“ Wahrscheinlich hätte ich mich „veratmet“. Ich unterdrückte einen Hustenanfall.

Der Doktor maß meinen Blutdruck: „Völlig unbedenklich.“ Ich sagte, dass ich mich ständig müde und fiebrig fühle. „Wissense“, sagte der Arzt, „der menschliche Körper ist sehr kompliziert, da knarzt schon mal was.“ Wenn es mich beruhige, könne ich mir gerne noch Blut abnehmen lassen, sagte er zum Abschied.

„Sind Sie standfest?“, fragte die Arzthelferin. Ich guckte verdutzt. Ein unmoralisches Angebot? Ob ich mich hinlegen müsse beim Blutabsaugen, konkretisierte die Frau in Weiß. „Nein, nein!“, rief ich zackig. Es gibt Situationen, da stehe ich lieber. An der Beinarbeit erkennt man Siegertypen, weiß ich als Eidgenosse. Unser Skispringer Simon „Simi“ Ammann, der wohl erfolgreichste Schweizer dieser Tage, hat das neulich so schön formuliert. „Wenn meine Beine hundertprozentig sind und ich beim Absprung im Timing noch besser liege, hätte ich mit Sicherheit gewonnen.“

Wir lernen: Alles wird neu in diesem Jahr, auch die Grammatik. Bleiben wir daher standfest. Und achten aufs Timing beim Absprung. Ich für meinen Teil werde Kreuzberg zum Beispiel bald verlassen. Sollen die dort den Bergmannkiez ohne mich weiter aufschnöseln. Mein Motto für 2009: Hinter der Sonnenallee geht’s weiter! Till Hein

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