Was machen wir heute? : Süßigkeiten abschwören

Nicola Kuhn

Süßigkeiten sind bei uns ein Dauerbrenner. Fast jeden Morgen fragen Jan und Josefine: Mama, steckst Du uns etwas Süßes ein? Die Antwort lautete natürlich: Nein! War das in der Kita noch kein Thema, weil die Erzieherinnen selbst über das Verbot von Schoko-Croissants und Nutella-Brötchen wachten, beginnt jetzt in der Schule diese Bastion zu wanken. Schließlich kennen Jan und Josefine in ihrer Klasse immer mindestens zwei oder drei, die in ihrer Brotbox Schleckereien in die Schule verfrachten, statt Vollkornbrot und Obst zu naschen. Hin und wieder gebe ich mal nach. Wer kann schließlich immer nur Strenge walten lassen?

Ein solcher Fall trat letzte Woche ein. Eher zufällig waren wir auf den Zuckermarkt der Domäne Dahlem geraten, ein erklärtes Lieblingsziel, denn hier gibt es für Großstadtkinder Hühner, Kühe, Pferde noch im Original. Am Sonntag aber war es das Himmelreich. Auf dem Hofgelände reihte sich ein Schleckerstand an den anderen. Aber auch dieses Vergnügen gab es nicht ohne Moral. Der Besuch im Gutshaus öffnete uns die Augen. Die Ausstellung „Süße Verlockung“ mit historischen Konfektschachteln, einem Sarotti-Mohr aus Porzellan und Zahnarztstuhl war zugleich ein Rätsel-Parcours für Kinder. Selbst Erstklässler haben eine Chance, das Lösungswort mit zehn Buchstaben – Schokolade – zu erraten und einen Bonbon zu kassieren.

Am eindrucksvollsten aber war jener Schaukasten, der oben Nutella-Glas, Ketchup-Flasche oder einen Stapel Butterkekse zeigte. Darunter verbarg sich hinter einer Klappe übereinander getürmt die entsprechende Anzahl Würfelzucker. Das war bitter, ausgerechnet die Gummibärchen bildeten den Spitzenreiter mit 78 Zuckerwürfeln pro Tüte. Jan und Josefine waren stark beeindruckt und kurz davor, ewig abzuschwören. Draußen aber wurden wir dann wieder schwach. Jan und Josefine dekorierten jeder ein Lebkuchenherz mit Zuckerguss, Smarties und Schokostreuseln. Und ich habe es ihnen dann am Montag drauf in die Brotbox gepackt. Nicola Kuhn

Domäne Dahlem, Königin-Luise-Str. 49, Ausstellung bis 31. Dezember.

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