Was machen wir heute? : Superstars besuchen

Heike Jahberg

Schlaue Leute stellen gern Listen auf, was Kinder in ihren ersten zwölf Lebensjahren alles getan haben sollten. Eine Rede reden, zum Beispiel. Auf einen Baum klettern. Sich bei einem Freund entschuldigen. Lauter solche Sachen. Fragt man die Kids selbst, sehen solche Listen in aller Regel ein wenig anders aus. Im Regen Fußball spielen, würde etwa auf Lindas Liste stehen. Oder: eine coole Geschichte selbst schreiben. Toms Prioritäten liegen woanders. An erster Stelle auf seiner Liste würde stehen: zu einem Popkonzert gehen.

Zwölf Jahre ist der Junge jetzt alt und zwölf Jahre lang hat das nicht geklappt. Einmal wollten wir zum Konzert von Christina Stürmer, doch statt um acht spielte die dann erst um elf Uhr abends. Zu spät für ein Schulkind, fand ich, und wir gingen nach Hause. Im Nachhinein ein großer Fehler. Denn seitdem fühlt sich der Junge vom Schicksal benachteiligt. Die Bands, die ihn interessieren, treten entweder dann auf, wenn wir im Urlaub sind oder mitten in der Woche, wenn am nächsten Morgen um sechs der Wecker klingelt. Eine Schande. Selbst Linda, die vier Jahre jüngere Schwester, hat inzwischen ihre Lieblingsband „Ich+Ich“ live gesehen.

Das ist tragisch, denn nichts interessiert unseren Jungen so sehr wie Musik. Stundenlang hört er Radio, regelmäßig schaltet er die Viva-Charts im Fernsehen ein. Auf seitenlangen Listen stellt er seine eigenen Hitparaden zusammen, bis hin zu seinen ganz persönlichen Top 100. Ob „Deutschland sucht den Superstar“ oder die Verleihung des Comet-Musikpreises – Tom ist dabei, vor dem Fernseher. Sein Berufswunsch: DJ. Seine Lieblingsband: Marquess. Sein Lieblingslied: La vida es limonada.

Und nun hat es endlich geklappt. Am Samstag war Tom bei seinem ersten Konzert. „Stars for free 2008“ in der Wuhlheide. Er hat Thomas Godoj gesehen, den Superstar, Shaggy und Sarah Connor. Und Marquess. Jetzt ist alles gut. La Vida es limonada. Mindestens. Heike Jahberg

Tipp für die Herbstferien: Amy MacDonald, 20. Oktober, 20.30 Uhr, Columbiahalle

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