Was machen wir heute? : Technik bewundern

Plümper

Der Künstlerfreund und der Rentner fahren in den Museumspark Rüdersdorf. Sie wollen die stillgelegte Technik der Kalkgewinnung besichtigen.

Gleich hinter dem Eingang liegt ein alter Kanaltunnel aus dem Jahre 1816. Zwei große Löwenköpfe bewachen den Eingang. Bekümmert sehen sie aus – kein Wunder bei den großen Eisenringen im Maul. Die Freunde gehen durch Kalköfen aus dem 17. Jahrhundert, dann durch einen kleinen Tunnel, und sehen plötzlich den alten Steinbruch, 4,5 km lang, 1 km breit und sehr tief in die Erde gegraben. Beeindruckend!

Eine Umlenkstation für die Seilbahn, mit der Kalk zu den Öfen befördert wurde, ist 1871, also im Jahre des Krieges gegen Frankreich, als Burg erbaut worden. Lange überlegen die Freunde, woher diese deutsche Vorliebe komme. Eine feste Burg - der Künstlerfreund erinnert an das berühmte Lutherlied - symbolisiere letztlich doch das Gefühl der Bedrohung, des Rückzugs und der Verteidigung.

Aber diese Diskussionen verstummen, als die Rumford-Schachtöfen zu sehen sind: Es sind 18 in zwei Reihen hintereinander liegende Öfen, die der Rentner zuerst als sehr dicke, sich konisch verjüngende Schornsteine ansieht. Damit die Hitze sie nicht sprengt, umgürten sie mehrere Eisenringe, was ihr fremdartiges Erscheinungsbild noch verstärkt. Am oberen Drittel verläuft eine begehbare Ebene mit Lorengleisen, aus denen der Kalk zum Brennen von Arbeitern in die Öfen gekippt wurde; im Kriege waren es zu zwei Dritteln Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene. Erst 1968 stellte man die Arbeiten ein. 53 00 t Staub wurden hier im Jahr in die Luft gepumpt, heute sind es nur noch 2000. Die ganze Anlage wirkt so ungewöhnlich, dass der Rentner sagt, wer hier nicht staune, der staune wohl nimmermehr. Plümper

Museumspark Rüdersdorf, Heinitzstraße 45, 15562 Rüdersdorf. Informationen und telefonische Anmeldung unter 033638/774 45, weiteres im Internet unter www.museumspark.de.

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