Kultur : Was machen wir heute?: Topfreiniger zur Babypflege kaufen

Nicola Kuhn

Ich kenne mittlerweile diese Blicke: eine Mischung aus Bewunderung und Mitleid, wenn ich mit meinem Zwillingswagen vermatschte Parkwege durchpflüge und auf den Bürgersteigen den Pfützenslalom übe. Die Arme, kann ich da hinter den Stirnen entgegenkommender Mütter lesen, gleich zwei auf einmal. Ich pflege dann immer besonders lässig meine Karre zu bewegen und ein überlegenes Lächeln aufzusetzen. Das wirkt. An Bushaltestellen, Warteschlangen in der Post oder Bank bleibt es allerdings selten bei Blicken allein. "Na, da hat die Mutti aber doppelt Arbeit ...", ist der meist gehörte Spruch älterer Damen, auf den ich gerade noch rechtzeitig vor weiteren Mitleidsbekundungen einzuwerfen versuche: "... und doppelt so viel Spaß."

Mit Zwillingen muss man gewappnet sein: psychologisch und überhaupt. Und das nicht nur, wenn man das Haus verlässt. Deshalb haben wir jetzt beschlossen, in einen PEKiP-Kurs zu gehen. Der ist gut für die Babys zur Spiel- und Bewegungsanregung. Aber auch für die Eltern. Zwecks Psychohygiene, wie es in einem Prospekt des Prager-Eltern-Kind-Programms heißt.

Zuerst fanden Jan und Josefine das alles großartig. In einer brüllend heißen Bude ausgezogen werden, nach Herzenslust mit dem nackten Hintern wackeln und durch die Gegend pinkeln dürfen. Das war es. Voller Nachsicht erklärte die Gruppenleiterin uns peinlich berührten Müttern, dass sich daran die Zufriedenheit der Kleinen ablesen ließe. Worauf wir noch ein wenig stolzer die kleinen Popos betrachteten. Ich allerdings nur so lange, bis Josefine vor lauter Begeisterung richtig nachlegte. Sogleich wurde mir noch wärmer als ohnehin schon.

Vielleicht ist das alles auch ein bisschen viel. Jedenfalls waren weder Jan noch Josefine für das folgende Marienkäfer-Krabbelspiel zu haben. Statt glücklicher Juchzer beim Killern schrien sich die beiden in ungeahnte Höhen hoch, was stark animierend auf den Rest wirkte. Auch die eiligst eingeschobene Beruhigungskassette kam dagegen nicht mehr an, mochten die Sänger auch noch so beschwörend "Ami tomake balo baschi baby" säuseln. Was Bengalisch ist und "Ich habe dich lieb, mein liebes Baby" heißt. Genützt hat es nichts.

Da halten wir es doch lieber mit der handfesten Frau Nold von der Beratungsstelle für kindliche Entwicklung im Gesundheitsamt Schöneberg. In der Babygruppe schnappt sie sich einfach den nächsten Schreihals und hat bisher noch jeden an ihrem Busen zu seligem Lächeln gebracht. Nebenher erzählt sie das ein oder andere über richtige Haltung und falsche Bewegung. Oder dass Spülbürsten ebenso wie Topfreiniger die größte Herrlichkeit sind, wenn man mit ihnen Babys Sohlen massiert. Das funktioniert sogar stereo. So von Kopf bis Fuß gestärkt, trotzen wir noch jedem mitleidigen Blick und schwachen Moment.

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