Was machen wir heute? : Trends verfolgen

Susanne Kippenberger

Neulich bin ich bei meinem Conrad vorbeigeradelt, die hatten gerade Ausverkauf auf dem Bürgersteig, keine Ahnung von was, hat mich nicht interessiert, ich bin ja eine Frau. An den Grabbeltischen grabbelten nur Männer, die ungefähr vier Prozent anwesenden Frauen waren nur als Begleitpersonen gekommen. Lustig, dachte ich, es gibt sie also noch, die letzten Bastionen der Männer. Vielleicht waren die Grabbler auch nur vor den Frauen geflohen, denn die haben jetzt das Sagen oder werden es bald haben, hat der „Spiegel“ letzte Woche verkündet. Kaum war die Titelgeschichte über die „Alpha-Mädchen“ erschienen, kam ein Brief des Trendforschers Matthias Horx, der immer ganz genau weiß, was die Zukunft bringt, und verkündete den „Megatrend: Frauen“.

Hmmh, dachte ich. Als ich neulich frühmorgens von Berlin nach Köln/Bonn geflogen bin, hatte ich das Gefühl, dass die Welt nur aus Männern besteht, mit Aktentasche in der einen, Handy in der anderen Hand. Sobald sie gelandet waren, stellten sie das Telefon wieder an und nuckelten fast daran, wie ein Süchtiger an der Zigarette. Haben die Frauen von gestern eigentlich ihre Söhne nicht gestillt? Oder nicht abgestillt?

Dann fiel mir wieder der Henri-Nannen-Preis ein, einer der beiden wichtigsten deutschen Journalistenpreise. 2007: Zehn Preisträger – neun Männer, eine russische Redaktion. 2006: Acht Preisträger – acht Männer. 2005: 13 Preisträger – zwölf Männer, eine Frau. Schade nur, dass sie in Weißrussland arbeitet. „Für unsere Freiheit müssen wir kämpfen“, stand als Überschrift über der Auszeichnung von Irina Chalip. Komisch, dachte ich, an Journalistinnen mangelt’s hierzulande doch nicht. Können die alle nicht schreiben?

Jetzt soll mir noch mal einer sagen, dass die kleinen Mädchen in der Schule alle so gut sind, und die armen Jungens davon Minderwertigkeitskomplexe kriegen. Am Ende sind sie doch die Chefs. Susanne Kippenberger

Die einzige reine Frauenbastion, die mir in der Stadt auffiel, saß vor der Patisserie Albrecht in der Fasanenstraße 29, deren Törtchen auch Männern sehr zu empfehlen sind.

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