Kultur : Was machen wir heute?: Trotzdem feiern

Wo? Im Internet natürlich[in einer Live-Chat]

Es ist ja so kalt - und alles so grau! Pünktlich im November verlässt mich jedes Interesse am Clubleben, das passiert jedes Jahr. Entweder hat man es sich bis dahin in einem puschigen Privatleben eingerichtet, oder es bleibt das Internet zum Herumhängen. Das Internet ist wahrscheinlich sogar erfunden worden, damit man im Winter sein beheiztes Zuhause nicht verlassen muss! Was aber kommt nach dem Internet? Zum Beispiel ein Filmfestival. Man sitzt und es ist geheizt, das ist fast ein bisschen wie zu Hause bleiben. Ich denke, Filmfestivals hat man auch für den Winter erfunden, wenigstens in Berlin. Letzte Woche jedenfalls war für Unternehmungen außer Haus gerettet: Im Kino Central liefen die neuesten Filme des "onedotzero"-Filmfestivals. Das ist das Londoner Filmfestival für digitale Filme. Voller November-Melancholie erinnere ich mich, dass also schon wieder ein Jahr vergangen ist, seitdem das Festival in Berlin zum ersten Mal in der Galerie "ffwd" zu Gast war, da habe ich sie zum ersten Mal gesehen. Nun sind alle Filme geguckt und es ist Wochenende. Wohin als wintermüde Clubgängerin? Glücklicherweise erinnert mich ein Freund daran, dass bei Filmfestivals auch immer Parties abfallen, so auch diesmal: Morgen findet die "finale digitale Performance" des onedotzero-Festivals statt. Als ob mir meine Novemberunlust ins Gesicht geschrieben steht, fügt er hinzu, dass dort die Light Surgeons auftreten, und dass das für ihn die riesigste-Club-Video-Performance-die-ich-je-gesehen-habe sei. Obwohl ich jetzt schon halb überzeugt bin, setzt er noch eins drauf: "Und außerdem ist das Ninja Tunes Duo Dynamic Syncopation da!" Auch wenn ich die Musiker kaum kenne, weiß ich, dass Ninja Tunes eines der besten Londoner Labels ist, und dass deren funky HipHop beeinflusster Sound einen langen, kalten Weg durch die Nacht wert ist. Wobei der Weg gar nicht so weit ist: Ort des Geschehens ist das altehrwürdige ehemalige Staatsbank-Gebäude der DDR in Mitte, das seit der letzten Berlinale als Veranstaltungsort stark "en vogue" zu sein scheint. Man fühlt sich dort wie in einer Filmkulisse, Klassizismus mit Ost-Odeur. DDR light sozusagen. Genau das mag der Grund sein, warum dort so gerne aus Hamburg oder München zugezogene Internet-Startup- und Medienmenschen die Partys bevölkern. Abgesehen davon ist es Berliner Tradition, Clubgeschichte in ehemaligen Banken zu schreiben; berühmtestes Beispiel dafür ist der Tresor. Für alle, denen es zu kalt ist um auszugehen, habe ich noch einen Tipp für Zuhause: Man kann sich ja mal mit dem Berliner Underground-Star Gonzales von Kitty-Yo Records über seine neue CD und das Novemberwetter unterhalten.

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