Was machen wir heute? : Twittern

David Ensikat

Regelmäßig unterhalte ich mich mit G. und S. über die Welt. Außer Autos und die Wagner-Nachfolge in Bayreuth gibt es keine Tabus. Wir reden sogar über die Zukunft der SPD. Sie liegt G. irgendwie am Herzen, denn er ist Mitglied der SPD. Ich glaube, er wäre mir böse, wenn ich hier seinen vollen Namen hinschriebe, und das sagt ja schon alles. Die Lage ist inzwischen so verzweifelt, dass G. kaum noch nach der Partei fragt, sondern nur noch: „Wann, glaubt ihr, kommt Münte wieder?“

G. wirft S. vor, er sei ein verkappter Liberaler, er hat ihn sogar schon mal „Guido“ genannt. Und das nur, weil S. in einer Wirtschaftsberaterkanzlei arbeitet. Das ist unfair, denn S. spricht sich auch gegen den Raubtierkapitalismus aus. Und auch er macht sich Sorgen um die SPD. Außerdem ist er ein großer Fan von Barack Obama. S. schläft in letzter Zeit sehr wenig, denn er verfolgt jede von Obamas großen Reden live im Internet. Auch sonst nutzt S. das Internet ausgiebig; er hat neulich sogar mal auf die Seite der SPD geschaut. Da stieß er auf die interessante Nachricht „Heil ,twittert‘ aus den USA“. Auf der Suche nach der Zukunft ist der SPD-Generalsekretär in der vergangenen Woche zum Obama-Nominierungsparteitag geflogen. Davor muss ihm jemand gesagt haben: „Du, Hubertus, die Zukunft steckt im Internet, und der letzte Schrei da ist Twitter. Das ist so ein neues Ding, man sagt: Ich twittere, du twitterst, …“

Wer twittert, schreibt per Handy kurze Nachrichten, schickt sie an Twitter, und prompt stehen sie im Internet. Eine Art öffentliches Tagebuch, immer aktualisierbar. Hubertus Heil hat am 28.8., 19.17 Uhr aus Denver getwittert: „Musik und tanz. Mehr los als bei pink floyd konzerten.“ Am Tag davor, 15.33 Uhr: „Ein demonstrant trug die interessante parole ,stopp protesting‘ (what???)“

Heil ist der erste deutsche Parteichef, der twittert. Ob es hilft? S. ist unsicher. G. sagt Nein. Er hofft auf Münte. David Ensikat

Neues vom Kampf der SPD um ihre Zukunft: http://twitter.com/Hubertus_Heil

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