Was machen wir heute? : Ube-Eis essen

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Wenn ich gewusst hätte, wo ich hingehe, hätte ich die Tomaten wenigstens poliert. „Martin macht wieder eine seiner Partys. Kommst du mit?“, hatte meine Freundin Tina gefragt. Damals studierten wir, ich kannte Martin und seine Parties nicht, aber Tina sagte mir, bei ihm würden alle zusammen kochen. Eine Party mit Konzept – das gefiel mir. Auf den Festen, die ich normalerweise besuchte, gab es meist nicht mal genug Stühle, Bier war auch immer knapp, da konnte man den Gastgeber nicht anhauen und sagen: „Ey, ich bräuchte eine Sitzgelegenheit und was zu trinken. Und wo wir schon dabei sind: Hast du vielleicht ein Konzept?“

Ich begleitete Tina also zu Martin und hatte in der Handtasche das, was ich unter dem Oberbegriff „Zutaten für ein Essen“ verstand: einen Salatkopf, fünf Tomaten und eine Gurke. Doch dann standen wir in dieser Küche, größer als meine gesamte Wohnung, die anderen Gäste steckten mitten in mir unbekannten Vorgängen wie Blindbacken oder Anschwenken, meine Tomaten kullerten schüchtern auf der glänzenden Arbeitsplatte herum. Ich habe sie schnell und diskret verarbeitet und bin dann gegangen. Aber das Essen war hervorragend, keine Frage.

Als Tina mir nun, Jahre später, sagte, dass Martin und zwei Freundinnen einen Eisladen hätten, da wusste ich, dass mich mehr als ein kleines, harmloses Eisvergnügen erwartet. Und tatsächlich: „Ich will Ziege, Ziege, Ziege!“, ruft ein Junge, als ich den Laden „Die Eismacher“ in Kreuzberg betrete. Er meint das Ziegenmilcheis, auch Papaya- und Baumtomateneis gab es schon, aber der Renner ist das Ube-Eis. Seinetwegen kamen schon Abgesandte aus anderen Eisläden, alle wollen sie es probieren, mittig platziert sitzt es in der Auslage und leuchtet knallig violett. Man kann sich von Martin erklären lassen, was Ube ist (Yamswurzel, von Hause aus violett, nicht etwa gefärbt), woher es kommt (Philippinen), man kann es aber auch einfach genießen. Verena Friederike Hasel

Man findet Die Eismacher in der Blücherstraße 37 in Berlin-Kreuzberg.

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