Was machen wir heute? : Über Kunst diskutieren

Plümper

Ein schönes kleines Haus im Holländischen Viertel, 1833–37 von Bouwman errichtet. In ihm wohnte ein Tischlermeister, der einen Teil der kleinen, intimen Räume mit Parkett und Täfelung versehen hat. Bis Januar werden hier etwa 50 Lithografien und Radierungen gezeigt, die bei einem Potsdamer Kunsthändler, Ferdinand Möller, in den 20er Jahren erschienen waren. Der bekannteste Künstler ist Otto Müller. Der Freund des Rentners kennt allerdings Max Kaus, dieser hat zu seiner Studienzeit bis 1968 an der HdK gelehrt. Es sind auch drei kleine Plastiken von Kolbe und ein Mädchenkopf von Scheibe zu sehen. Die Freunde diskutieren diesmal besonders lange, denn die Ausstellung zeigt Arbeiten, die noch nicht in den Olymp der Kunst aufgenommen sind, und so müssen sie sich über die Qualität erst einmal verständigen. Sehr witzig ist ein Plakat von Gulbransson zum Potsdamer Kunstsommer von 1921: Ein riesiger Schatten, Friedrich der Große, beugt sich tief zu einem kleinen dicken Elf mit einer großen Palette in der einen und einem Lorbeerzweig in der anderen Hand herab. Will er segnen oder dem Elf nur über das Haar streichen? Der kleine Elf schaut hoch, verschmitzt oder ehrfürchtig?

Dem Rentner gefallen die Radierungen von Samen, das sind die Ureinwohner Lapplands, besonders. Ein Maler und Ethnologe hat sie von einer Reise dorthin mitgebracht. Auf der „Wanderung zu den Winterplätzen“ wird ein Zug von Rentieren mit ihren großen Geweihen von einem Samen auf Skiern angeführt, der zweite Zug von einem Hund. Alles naiv und ohne Perspektive in Umrissen in die Platte radiert. Aber der Künstlerfreund kann den Radierungen nichts abgewinnen. Der Rentner verteidigt die Samen. „Na, zu Weihnachten ist das vielleicht gut!“ sagt der Künstlerfreund endlich. „Dann zu Weihnachten erneut nach Potsdam: Weihnachtsmarkt und Museum!“ Letzte Gelegenheit: Im Januar wird das Haus „privatisiert“! Plümper

Potsdam Museum - Forum für Kunst und Geschichte, Di-So 10-18 Uhr

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