Was machen wir heute? : Über Politik für Große sprechen

Gerd Nowakowski

Das kann Lara nicht verstehen. Bei der letzten Abgeordnetenhauswahl 2006 durfte sie als 16-Jährige im Bezirk mitwählen. Und auch beim Bürgerbegehren über eine umstrittene Bebauung am Glienicker See in Spandau. Beim Volksentscheid über die Zukunft des Flughafens Tempelhof dagegen nicht. Obwohl Lara da eine klare Meinung hat und bald 18 Jahre alt. Was sich der Gesetzgeber dabei gedacht hat, kann auch der Vater nicht erklären. Dabei ist es doch viel einfacher, über einen Flughafen abzustimmen, als zu entscheiden, für welche Partei und welches Programm man sein Kreuzchen macht, findet die Tochter. Und außerdem, sagt Lara, ist direkte Demokratie der beste Weg, jungen Menschen zu zeigen, dass sich Mitmachen lohnt. Das Alter beim Volksentscheid auf 16 Jahre zu senken, scheint ihr jedenfalls viel sinnvoller, als nach dem Tempelhof-Volksentscheid nun zu diskutieren, ob nicht das Quorum von 25 Prozent der Wahlberechtigten gesenkt werden müsse.

In dieser Woche war Europa-Tag. Deswegen besuchten Bundeskanzlerin Angela Merkel und ihr Kabinett Berliner Schulen. Auch Lara diskutierte mit einem Bundesminister. Eingeladen waren die Schüler der Oberstufen-Leistungskurse; die 15-jährige Schwester Franca bekam den Besuch nicht einmal mit. Das ist doch blöd, sagt der Vater. Pah, sagt Franca, den Politiker fände sie eh nicht gut.

Das war interessant, sagt dagegen Lara, einen Bundesminister mal direkt befragen zu können – über Biokraftstoffe, Gentechnik oder EU–Bürokratie. Manches sieht danach ein wenig anders aus – außerdem sei der bisher nur aus der Glotze bekannte Minister erstens nicht unsympathisch und in Wirklichkeit total groß. Na ja, man merke schon, das sich Politiker nie gerne festlegen und lieber unverbindliche Formulierungen benutzen. Politiker sollten aber ruhig häufiger in die Schulen kommen, findet Lara. Und im Herbst, wenn das Volksbegehren „Pro-Reli“ startet, ist Lara schon 18. Nur Franca kann zwar zum Religionsunterricht gehen, abstimmen aber darf sie nicht darüber. Gerd Nowakowski

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