Was machen wir heute? : Umsonst ins Museum gehen

von

Hallo? Wie soll denn das gehen – mit zehn Euro im Monat Reitunterricht nehmen?“ Tochter Lara findet die Vorstellungen von Bundesarbeitsministerin von der Leyen, was Kinder aus Hartz-IV-Familien mit dem Zuschlag anfangen können, äh, nun ja, sagen wir, etwas fern der Lebenswirklichkeit. Auch der Vater erinnert sich gut, wie sehr die Reitstunden ins Geld gingen. Na ja, man muss ja nicht unbedingt reiten, verteidigt der Vater die guten Absichten der Ministerin. „Die hat schließlich sieben Kinder.“ „Einen Fahrer, Kindermädchen und Köchin aber auch“, sagt die 17-jährige Franca: „Und in meinem Tennisverein kostet die Mitgliedschaft monatlich 19 Euro, da kann man die zehn Euro glatt vergessen.“

„Gut, dass es in Berlin für ärmere Kinder den Berlin-Pass gibt“, sagt der Vater, „da können Kinder umsonst Mitglied im Verein werden.“ Typisch Papa, sagt die 20-jährige Lara, die den Sachen immer auf den Grund geht: „Hast du da mal reingeschaut? Da geht es nur um 2000 Vereinsplätze. Und Francas Tennisclub ist nicht dabei.“ Außerdem kommt man sich noch komisch vor, weil alle gleich wissen, dass man aus einer armen Familie kommt, meint Franca. Das wäre auch der Nachteil einer Chipkarte für Hartz-Kinder, wie sie von der Leyen will, so der Vater. Doch Lara findet: „Die Chipkarte ist doch keine Diskriminierung, Freunde und Mitschüler wissen doch sowieso Bescheid.“ „Deswegen ist es eine prima Sache, dass ab diesem Wochenende für Jugendliche bis 18 Jahren alle staatlichen Museen in Berlin kostenlos sind“, findet der Vater: Ganz ohne besondere Karte oder Berlin-Pass. Da stimmen die Töchter ausnahmsweise zu. „Der neu eröffnete Teil des Naturkundemuseums ist ganz toll – und auch die simulierte Reise durch das Universum, wenn man auf einer Polsterbank liegt und die Sterne schweben von ganz oben auf einen zu“, schwärmt Lara. Blöd nur, dass ausgerechnet dieses Museum nicht kostenlos ist für Jugendliche. Warum eigentlich? Gerd Nowakowski

Naturkundemuseum, Invalidenstraße 43, Kinder 3,50, Erwachsene 6 Euro, Familienkarte (Zwei Erwachsene, drei Kinder) 11 Euro.

0 Kommentare

Neuester Kommentar