Kultur : Was machen wir heute?: Unbeschwert spielen

Sigrid Kneist

Neue Parks haben in der Regel eine Atmosphäre wie ein frisch desinfizierter Operationssaal. Bundesgartenschauen machen da keine Ausnahme. So penibel angelegte Gartenanlagen wirken einfach steril. Jeder Grashalm und jedes noch so kleine Blümelein scheinen nach einem festen Plan gepflanzt zu sein, der keine Abweichungen durch natürlichen Wildwuchs duldet. Wahrscheinlich schreien jetzt tausende von Gartenfans auf; und die Verantwortlichen der Bundesgartenschau in Potsdam werden über so viel Ignoranz entsetzt den Kopf schütteln. Dabei habe ich gar nichts gegen Parks oder gegen Bugas, aber sie müssen gewachsen sein. Das besondere Flair zu entwickeln, das braucht eben ein paar Jahre.

In Berlin zähle ich sogar zu den größten Buga-Fans. Doch dieser Park im Süden der Stadt ist inzwischen schon 16 Jahren alt, und viele wissen gar nicht mehr, dass hier einmal eine Bundesgartenschau war. Heute ist die riesige Grünanlage nur noch als Britzer Park bekannt.

Normalerweise ist das mit den alten Berliner Volksparks auch so eine Sache: Meist kann man ganz schön spazieren gehen; die alten Bäume hauchen einem Geschichten ins Ohr. Das macht Spaß. Nur leider nicht so sehr mit Kind. Denn viele Zeitgenossen dort sind ziemlich rücksichtslos. Als Erwachsener kann man vielleicht noch ausweichen, wenn sich manche Irren auf den Wegen ein Radrennen liefern. Hundehaufen zu umgehen ist man ohnehin gewohnt. Aber Kinder wollen rennen, spielen, toben, ohne sich ständig umgucken oder darauf achten zu müssen, ob in der Buddelkiste auf dem verdreckten, parkeigenen Spielplatz Glasscherben oder Spritzen rumliegen. Rumlümmelnde, pubertierende Jugendliche tragen oft auch nicht dazu bei, die Stimmung zu heben. So richtig entspannt ist ein Parkbesuch selten.

Ganz anders im Britzer Park. Dort müssen Räder und Hunde draußen bleiben. Panikanfälle kleiner Kinder, die sich von riesigen Vierbeinern verfolgt sehen, kann es dort garantiert nicht geben. Und Teenie-Cliquen finden den Park wahrscheinlich super-öde, bleiben deswegen gleich draußen.

Wenn es nach meiner Tochter geht, können wir gleich auf jeden Spaziergang verzichten und ohne Umweg über den Eingang Tauernallee direkt die Spiellandschaft ansteuern. Allenfalls das Restaurant am See findet Charlotte noch leidlich attraktiv; ein Eis vom Kiosk tut es jedoch auch und lenkt nicht so sehr vom eigenlichen Zweck des Buga-Besuchs ab. Bei Hitze sind die Wasserspiele die größte Attraktion; wo man sich prima nassspritzen kann. Ansonsten klettern die Kinder über riesige Netze aus Kletterseilen oder toben durch das Indio-Dorf Makunaima, das in den vergangenen Sommern mit Lehmbauten gestaltet wurde.

Übrigens, im Eröffnungs-Jahr 1985 fand ich die Buga langweilig, gesichtslos eben. Aber seit damals ist ein richtiger Park gewachsen. Den Besuch der Buga Potsdam werde ich wohl noch ein wenig verschieben. Vielleicht bis ich mit meinen Enkeln hingehen kann.

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