Was machen wir heute? : Union lieben lernen

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Als Grundschüler in der Schweiz trug ich täglich das rot-blaue Trikot des FC Basel. Es war die Zeit der goldenen Basler Generation um Markus „Super-Mägg“ Tanner mit dem eisenharten Schuss. Verlor der FCB dennoch mal, weinte ich.

Heute bewundere ich viele Mannschaften, ein echtes Lieblingsteam habe ich aber nicht mehr. Der FC Basel, dessen Spieler man manchmal im Gartenbad traf, hat sich zu einer Art Bayern München entwickelt, bei Hertha war mir der Torwart Gabor Kiraly mit seiner grauen Schlabbertrainingshose sympathisch, aber ihn haben sie längst in die Wüste geschickt. Irgendwie bin ich für St. Pauli, klar. Aber genügt das denn? Freunde wollen mich mit dem 1. FC Union verkuppeln. Beim ersten Besuch in Köpenick, in der Alten Försterei, kam ich mir denn auch vor wie auf einem Date: Würde sich etwas zwischen uns ergeben? Kann ich mich überhaupt noch mal binden?

Union-Fans haben die neuen Zuschauerränge des Stadions selbst gebaut, und die Vereinshymne singt Nina Hagen: „Wir werden ewig leben – Eisern Union!“ Die erste halbe Stunde lang machte Union gewaltig Druck. Aber es war wie verhext: Die Jungs um Kapitän Torsten Mattuschka (eine Art Berliner Super-Mägg) brachten den Ball einfach nicht ins Tor von München 1860. Das Spiel wurde immer schwächer, meine Zehen froren ein. Zwei Minuten vor Schluss zappelte der Ball doch noch im Netz. 1 : 0 für die Gäste. Die Union-Fans verzogen keine Miene. „Eisern Union!“, skandierten sie, als liefe alles perfekt.

Nach dem Spiel trafen wir in einem Pulk angetrunkener Union-Fans auf besoffene Münchner. Prompt begannen sie einander zu provozieren. Gleich kracht es, dachte ich. Stattdessen aber waren die Schlachtenbummler bald friedlich am Fachsimpeln. „Wer absteigt“, sagte ein Berliner, „kann hinterher zumindest wieder aufsteigen.“ Was für eine Moral, dachte ich. Union-Fan sollte man sein. Till Hein

Am Sonnabend 12. März, 13 Uhr empfängt Union im Stadion An der Alten Försterei (Nähe S-Bahn-Station Köpenick) den FC Augsburg.

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