Was machen wir heute? : Uns gruseln

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Halloween, und das auch noch am Sonntag, wenn man seine Ruhe haben möchte, stöhnt der Vater. „Was soll eigentlich dieser finstere Aberglaube, diese heidnische Geisteraustreibung, ausgerechnet amReformationstag.“ Die Mädchen sind ganz anderer Meinung, schließlich sind sie Jahr für Jahr von Tür zu Tür gezogen, mit eigenen Gedichten, immer bemüht, schneller an den Haustüren zu sein als die anderen umherziehenden Grüppchen. „Entspann dich, sagt Lara. „Du siehst das wieder viel zu ernst.“ Macht doch Spaß, wenn man sich verkleidet und Süßigkeiten sammelt, meint die 20-Jährige. „Ja, Kleopatra“, sagt der Vater, weil sie erst vor wenigen Tagen so zu einer Party ging, ausstaffiert aus dem kunterbunten Wunderland von Deko-Behrendt in Schöneberg.

„Und unsereins hat das Gefühl, man sei unversehens zum Darsteller in einem Horrorvideo geworden, auf der Straße verfolgt von hunderten Kürbisgesichtern“, murrt der Vater. „Du musst ja nicht mitmachen“, sagt Franca. Von wegen, klagt der Vater. Er ist an Halloween-Abenden lieber sehr spät von der Arbeit nach Hause gekommen, um die Begegnungen mit Kindern an der Haustür zu vermeiden, die „Gib mir Süßes, sonst gibt’s Saures“ rufen. „Du hast dich gedrückt und wir mussten das Licht ausmachen und so tun, als ob keiner da ist, weil ihr ja nie Süßigkeiten im Haus habt“, schimpft Franca. „Das war echt peinlich.“ Hat der Vater bei der 17-Jährigen gerade einen leisen Vorwurf herausgehört, dass die Eltern mal wieder versagt haben bei der Erziehung? Schließlich haben sie sich auch schon beklagt, dass es für sie Nutella nur bei ihren Freundinnen gab. Deswegen mussten wir erst einmal herumziehen und uns woanders Süßigkeiten holen, damit wir die dann wieder an unserer Tür verteilen konnten, erklärt Tochter Lara. „Prima Umverteilung“, sagt der Vater. „Wirklich witzig“, höhnt Franca. „Soll ich jetzt Süßigkeiten kaufen?“, fragt der Vater. „Nein, jetzt ist es auch zu spät.“ Gerd Nowakowski

Gruseln kann man sich bei der Halloween- Party im Gruselschloss im FEZ in der Wuhlheide, Sa 13–19 Uhr, So 12–18 Uhr, Eintritt 2 €, Familienticket 6,50 €, www.fez-berlin.de

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