Was machen wir heute? : Uns spanisch vorkommen

Wie eine West-Berlinerin die Stadt erleben kann

Ariane Bemmer

Eine Bekannte sagte: Komm, wir fahren nach Malaga, da kann man toll einkaufen. Malaga ist in Andalusien, wo die Sonne immer scheint, gesprochen mit einem scharfen, leicht gelispelten S. Andalu-SSSS-ja.

Wir liefen den ganzen Tag durch die Innenstadt: schmale Gassen, ein Geschäft neben dem nächsten, nichts kostete mehr als 30 Euro. Wir kauften und kauften. Und staunten. Ich habe als Schülerin in einem Jeanssupermarkt gejobbt. Und ich erinnere mich, dass es nicht Schöneres gab, als Kunden im Kaufrausch. Die Kunden lachten, wir Verkäufer lachten und schleppten immer Neues an, zur Hose den Gürtel, zum Gürtel die Tasche, zur Tasche passte dann die Bluse, und so ging es immer weiter, wir schlugen vor, berieten, bongten ein.

Ein guter Einkauf, so lernten wir, kann dich Dauerregen vergessen machen.

Und hier waren nun also wir: Kunden im Kaufrausch, und was soll man sagen? Die muffeligen spanischen Verkäuferinnen haben keine Miene verzogen. Im Gegenteil. Wenn wir von Regal zu Regal zogen, guckten, nestelten, probierten, waren sie uns dicht auf den Fersen und richteten schmallippig und mit strengem Blick alle Bügel sofort wieder akkurat aus. Fragten wir nach anderen Größen, größere Größen als an den Senoritas üblich, schrieen sie. „Forty one!?!?“ gellte es in einem Schuhgeschäft, dann lauter scharfe, leicht gelispelte SSS-Laute, dann Kopfschütteln. In einem anderen Geschäft kauften wir komplette Ausstattungen, vom Schuh bis zur Kette. Wir sagten an der Kasse etwas vom „nice shop“, aber wieder nur gezischeltes SSSSS und Achselzucken.

Wir blickten traurig auf unsere Taschen und dachten: Caramba, die Sonne scheint vielleicht in Spanien, aber nicht in den Herzen der Spanier! Und so freuten wir uns auf Berlin, auch wenn das Wetter hier meist schlecht ist und die Berliner Motzigkeit legendär: Wer hier Geld ausgibt, wird nicht so im Regen stehen gelassen. Ariane Bemmer

Spanisch einkaufen und trotzdem nett behandelt werden, geht dagegen bei Zara (u.a. Tauentzienstraße, Charlottenburg)

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