Was machen wir heute? : Urlaub auf der Alm

Plümper

Gegenüber versinkt der kleine Gletscher langsam ins Dunkel. Ganz allein sind die Freunde. Neben ihnen rauscht der Bach, vom Gletscher her weht ein starker, kühler, gleichmäßiger Wind. Eingemummelt in Decken sind sie, der Künstlerfreund und der Rentner, denn hier in Südtirol in 1600 m Höhe ist es auch im Juli abends kalt. Sie sitzen draußen vor der Almhütte, vor der kleinen Stube mit dem geheizten runden Ofen, auf dem man auch schlafen kann. Der große Kuhstall dahinter ist leer, die Kühe bleiben nachts auf den Wiesen. Vormittags waren die Freunde ins Dorf gegangen, hatten eingekauft: Vinschgauer Brote, Speck, Eier, Spaghetti, Tomaten, Kartoffeln. Dann waren sie mit dem großen, vollen Rucksack eine dreiviertel Stunde hinauf zu ihrer Hütte gestiegen.

Der Künstlerfreund hat gemalt. Lange hatte er geklagt, er finde für die alpine Landschaft keine Syntax. Doch nun ist ihm gelungen, die Umrisse der Berge und des kleinen Gletschers in seiner ihm eigenen Handschrift zu malen. Die Freunde haben auch eine Aufgabe: Eine der Kühe hat gelernt, den Elektrodraht des Zaunes mit einem gezielten Tritt außer Betrieb zu setzen. Dann weiden die Kühe auf Wiesen, die später gemäht werden sollen. Also müssen die Berliner sie einfangen. Eine einfache Sache: Sie holen sich einen Eimer Kraftfutter aus dem Stall, rufen Öchsli, Öchsli. Und tatsächlich, 17 alpengängige wilde Kühe kommen geschlossen in einem wahnwitzigen Tempo direkt auf die beiden zugestürmt. Die Freunde werden blass. Im letzten Augenblick findet der Rentner einen Knüppel, hebt ihn hoch, droht: Die Kühe bleiben wie von Zauberhand berührt drei Meter vor ihnen stehen.

Eigentlich wollen beide abends noch lesen, aber nach kurzer Zeit am warmen Ofen setzt der Strom aus, und die beiden sind im Grunde froh, ins Bett gehen zu können. Jeder in seins. Und nach 14 Tagen: Langsam, ganz, ganz langsam wächst das Heimweh nach Berlin.

Plümper

Tipp: Im Internet findet man unter „Urlaub auf der Alm“ verschiedene Angebote

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