Was machen wir heute? : Verzicht üben

Wie eine Mutter die Stadt erleben kann - Verzicht vermitteln

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Konsumieren kann jeder, verzichten nicht. Nach Aschermittwoch beginnt die Passionszeit. Sie dauert sieben Wochen und endet an Ostern. Katholiken sind in dieser Zeit gehalten zu fasten. Wahrscheinlich kommen sie in die Hölle, wenn sie das nicht tun. Die Evangelische Kirche ist moderater. Sie fordert nicht, sie empfiehlt. Aber auch ihre Empfehlung lautet: „Sieben Wochen ohne.“

Ich habe schon letztes Jahr mit dieser Idee geliebäugelt. Seitdem unser Junge Konfirmand ist, begleite ich ihn gelegentlich zu den Gottesdiensten. Und schon im vergangenen Februar hatte der Pfarrer zum Verzicht aufgerufen – wie gesagt, „sieben Woche ohne“. Die Aktion, so heißt es auf der Webseite der Kirche, möchte Menschen helfen, den Appetit auf ein sinnvolles Leben zu wecken. Auf was man verzichtet, darf man sich immerhin selber aussuchen. Selbst der Verzicht aufs Fahrstuhlfahren würde von der EKD anerkannt.

Ich stelle mir das Verzichtsleben eigentlich ganz gemütlich vor. Sicher, die ersten ein, zwei Tage dürften ein wenig ungewohnt sein, wenn man Tee trinkt statt Rotwein und Möhren knabbert statt Chips. Aber was könnten wir nicht alles gewinnen: spannende „Mensch-ärgere-dich-nicht“-Spiele im Familienkreis statt stumpfsinnigem „Wetten dass“- oder „DSDS“-Konsum, ein gutes Buch statt des samstäglichen Besuchs in der Fußballkneipe.

Auch die Kinder wären durchaus bereit zu verzichten. Allerdings nicht auf die Dinge, die ich ihnen vorschlage. „Sieben Wochen ohne Schüler VZ? Geht gar nicht“, sagt Tom. Sieben Wochen ohne Fernsehen? Nein. Sieben Wochen ohne Nintendo? Danke für das Gespräch. Tom und Linda stellen sich den Verzicht anders vor. Sieben Wochen ohne Hausaufgaben, das fänden sie super. Sieben Wochen ohne Schule – auch das würde gehen. Sieben Wochen ohne Training, sieben Wochen ohne Hausarbeiten – das alles findet ihre Zustimmung. Meine nicht. Schließlich einigen wir uns – auf „sieben Wochen ohne Veränderung“. Heike Jahberg

Zum Nachdenken: www.7wochenohne.de

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