Was machen wir heute? : Von Kuchen träumen

Wie ein Vaterdie Stadt erleben kann

Gerd Nowakowski

Plötzlich ist es weg. Das Café Mokkabach an der Bismarckstraße, jahrelang Treffpunkt mit den Mädchen, wo nach der Schule beim Kuchen ein wenig geplaudert wurde, hat aufgegeben. Wieder ein Stück gemeinsamen Lebens dahin, denkt der Vater. So ist das mit den Lebensabschnitten. Die Eltern haben gerade erfahren, wie es ist, zum ersten Mal seit 19 Jahren ohne Kinder zu verreisen – Tochter Lara hat ihr Studium begonnen, und die 16-jährige Franca geht nun in England zur Schule. So viel Freiheit im Urlaub, wie hat das den Eltern gefehlt. Vermisst haben sie die Kinder trotzdem. Das Ende der Kindheit, spürt der Vater, ist auch ein Ende der Zeit, in der Eltern ein wenig Kind sein dürfen.

Tochter Lara hängt jetzt nur noch an der Uni herum. Sie findet die Vorlesungen toll, das Mensa-Essen ganz prima und die Professoren hilfsbereit – irgendwie war das früher anders, wundert sich der Vater. Zum Studienbeginn gab es für die Erstsemester in ihrem Fachbereich an der Freien Universität eine richtige Feier, wo sich die Lehrkräfte vorstellten und die neu Immatrikulierten sogar ein paar kleine Geschenke bekamen. Das soll dieselbe Uni sein, die früher häufig so verranzt wirkte, mit lieblosen Profs, wenig hilfsbereitem Büropersonal und undurchschaubaren Abläufen? Alle Achtung, denkt der Vater. Da wäre er vielleicht auch häufiger hingegangen.

Auch von Tochter Franca ist nur zu hören und sehen, wenn der Vater sie über Skype an ihrem Computer erwischt. „Besucht mich bitte nicht so häufig“, sagt Franca beim letzten Gespräch: „Sonst kann ich mich nicht so richtig einleben.“ Recht hat sie, denkt der Vater und muss trotzdem etwas schlucken. Kurz darauf kommt Lara nach Haus. Sie hat festgestellt, dass sie jetzt ebenso zeitig aufstehen muss wie der Vater, wegen der frühen Vorlesungen. „Ich mach dir Brote für die Uni“, bietet der Vater an. „Au ja“, sagt Lara. Wie in der Schulzeit, denkt der Vater. Gerd Nowakowski

Beste handgemachte Kuchenkunst gibt es im „Kuchenladen“, Kantstraße 138, nahe Savignyplatz. Danach kann man heute ab 18 Uhr ans Brandenburger Tor zum „Festival of Lights“-Finale gehen, wo u.a. DJ Patricé auflegt.

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