Was machen wir heute? : Wach bleiben

von

Meine Lieblingskollegin recherchiert zum Thema: „Die Stadt, die niemals schläft“. Helden des Berliner Nachtlebens sollen gewürdigt werden – und da hab ich mich natürlich sofort beworben. Wahrscheinlich wird aber nichts daraus. Ich sei ja „nicht die ganze Nacht wach“. Nicken Taxifahrer, Notärzte, DJs nicht auch zwischendurch kurz ein?

Schlaf ist ein faszinierendes Thema. Es gibt Menschen, die niemals träumen, haben Neurowissenschaftler herausgefunden. Das klingt traurig, scheint aber so schlimm nicht zu sein. Das Gedächtnis dieser Leute funktioniere einwandfrei, stellte man fest, und sie scheinen auch keine psychischen Störungen zu haben. Ein Problem allerdings belaste traumlose Menschen, sagt ein Neurologe, der das Phänomen untersucht hat: Sie schlafen nachts schlecht und schrecken immer wieder hoch.

Ich träume viel. Besonders häufig, dass mein winziger Sohn weint. Dann schrecke ich hoch – und er schläft. Oder umgekehrt: Ich döse und mir scheint, dass ich träume, er weine. In Wirklichkeit brüllt er wie am Spieß. Wenn ich ihn dann endlich beruhigt habe, kann ich nicht einschlafen und habe Zeit zum Grübeln. Zum Beispiel über Erziehungsfragen. Bei mir wurde dieses Thema einst antiautoritär gehandhabt. Das „Kinderhuus“ in Basel orientierte sich in den Siebzigern nämlich an – Berlin. Die hiesigen „Kinderläden“ galten als die Speerspitze progressiver Erziehung. Wir durften die Hauswände bunt bemalen, mit Hammer und Säge hantieren und gegen Atomkraftwerke demonstrieren – in Berlin sei das genauso. Zu lesen gab es den „Anti-Struwwelpeter“, und einmal haben wir mit den Erziehern gemeinsam nackt im Kreis getanzt.

Ich wurde später Neuberliner, mein bester Freund aus dem Kinderhuus Banker. Ich denke, es war nicht alles schlecht damals. Man sollte Kinder nicht unnötig unter Druck setzen. Aber wenn der süße Kleine jetzt nicht endlich Ruhe gibt, dann könnte ich vom Glauben abfallen. Till Hein

Fernsehen für Schlaflose: Die „BR Space Night“ (BR über DVB-T oder Satellit)

0 Kommentare

Neuester Kommentar