Was machen wir heute? : Weiß sehen

Wie eine West-Berlinerin die Stadt erleben kann

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Vor vielen Monaten, als noch Herbst war, sagte eine Bekannte: Wie wäre es im Frühjahr mit Skiurlaub, schön Sonne und Schnee, Berge runterrutschen und so weiter. Ich sah in den Regen und dachte: warum nicht? Aber das war die falsche Frage.

Am 30. Dezember begannen die Schneefälle, die nicht wieder aufhörten, Schneeberge gab es nun auch in Berlin, und bald schon langte es einem. Im März 2010 jedenfalls war Schnee kein Trumpf mehr, und es haben auch alle herzhaft gelacht, wenn ich von meinen Urlaubsplänen erzählte. Aber gebucht war schon und sogar bezahlt, also fuhren wir vor einer Woche los, aus dem Flachlandschnee in den Hochlandschnee, und mir war zum Heulen.

Als wir ankamen, wurden wir sogleich über den Zustand des Schnees am Hang aufgeklärt, dann schleifte man uns in einen Kellerraum und passte Skischuhe und -bretter an, mit denen wir am nächsten Morgen unser Glück versuchen sollten. Ich tat das trotz schlechter Sicht nach Kräften und dachte: Urlaub, schön! Am Abend sah ich in meinem Zimmerfernseher, dass in Berlin die Sonne scheinen würde, was mich ärgerte. Im Skiort schneite es. Wir fuhren die nächsten Tage unentwegt im Lift die Berge hoch und auf Brettern wieder runter, wieder hoch und wieder runter, und mir wurde seltsam schwer ums Herz und schließlich fragte ich: Was tun wir hier Sinnloses? Die anderen wollten von solchen Grundsatzfragen nichts hören, sie fuhren davon, und ich zog mich zurück ins Hotel, wo die Heizung nicht lief, weil man nicht auf Gäste eingerichtet war, die tagsüber anwesend sind. Ich legte mich betrübt ins Bett und guckte Kika. Beim Abendbrot kündigte der Hotelchef für den nächsten Tag Sonne an, Kaiserwetter! Da juchzten wir. Doch dann schneite es bloß wieder. Warum?!?!, rief ich und kämpfte mit den Tränen.

Tags darauf reiste ich vorzeitig ab. Aus dem Zugfenster sah ich Deutschland vorbeirauschen, meist weiß bedeckt. Als mir auch vorm Berliner Hauptbahnhof Schnee um die Ohren flog, heulte ich los.

Ab Mittwoch soll’s nicht mehr schneien

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