Was machen wir heute? : Weißes Gold bestaunen

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Von „Protzellan“ ist auch die Rede, ein bisschen Ironie soll sein. Klar, einst protzten die Fürsten mit Porzellan, und die Bürger machten es ihnen nach. Mit einem einladend gewitzten Plakat werden also vor der Tür des Ephraim-Palais Besucher angelockt, sich drinnen dem „Zauber der Zerbrechlichkeit“ zu überlassen.

Ein Jubiläum ist der Anlass. 1710 gründete August der Starke die erste Porzellan-Manufaktur in Europa, die er auf der Albrechtsburg in Meißen streng bewachen ließ. Die Rezeptur für das „weiße Gold“, sollte ein Geheimnis bleiben, was natürlich nicht gelang. Bald machten auch andere mit Königlichen Porzellan-Manufakturen von sich reden wie Friedrich der Große mit der KPM. Das Stadtmuseum Berlin und die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden würdigen nun das sächsiche Ereignis vor 300 Jahren gemeinsam mit Sonderausstellungen in beiden Städten. Im Ephraim-Palais sind erlesene Werke des 18. Jahrhunderts zu sehen. Sie stammen aus 40 Manufakturen, aus Meißen, der Berliner KPM, Sèvres, Kopenhagen, Sankt Petersburg und so fort. Prunkvolle Services, mächtige Vasen, Chinoiserien, Porträtköpfe, Tierplastiken, ganze Figuren-Gruppen und chinesische Gärten sind zu bestaunen. Solche Prachtstücke dienten ja der Repräsentation, und sie wurden gezielt in der Diplomatie als Geschenke eingesetzt.

Porzellan-Künstler hatten sogar humoristische Einfälle, wie „Die hohe Frisur“ zeigt. Eine Dame sitzt samt Schoßhündchen vor dem Spiegel, zwei Kavaliere unterhalten sie, während ein Lakai auf der Leiter steht und ihre turmhohe Rokoko-Frisur richtet. Wunderbare museale Welt, dachte die Rentnerin, vorbei, wir leben mit gestanzten Tellern und Kaffeetöppen, gern auch aus Kunststoff. Wer legt schon Wert auf edles Geschirr oder doch ansehnliches? Da tut es gut, so etwas wenigstens hinter Glas zu beäugen. Brigitte Grunert

Bis 29. August 2010, Ephraim-Palais, Poststraße 16, 10178 Berlin, dienstags und donnerstags bis sonntags 10 bis 18 Uhr, mittwochs 12 bis 20 Uhr.

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