Was machen wir heute? : Wurstgeschichte studieren

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Was wäre Wien ohne Wurst? Eine „Eitrige mit an Buckel“ lass ich mir in der Sissi-Stadt nie entgehen. Offiziell heißt die Spezialität „Käsekrainer“, weil sie mit Käse gefüllt ist, der beim Braten ausfließt. Dazu ein herzhafter Buckel, der Anschnitt eines Brotlaibs – und die Welt ist in Ordnung.

In meiner Heimatstadt Basel wiederum genießen wir „Klöpfer mit Bürli“: eine knackige Mini-Bockwurst mit Spezialschrippe. Was aber weder wir Eidgenossen noch die Ösis errichtet haben, ist ein Wurstmuseum. Anders Berlin: Das Deutsche Currywurst-Museum, in dem Ketchup aus Kunststoff aus der Decke quillt, residiert in bester Lage, gleich am Checkpoint Charlie.

Die Currywurst ist eine Berlinerin und ein Kind der Nachkriegszeit. 1949 servierte Herta Heuwer an ihrer Imbissbude an der Kantstraße die erste: aus einfachen Zutaten, Wurst, Ketchup, Zwiebeln, Currypulver. Inzwischen verspeisen die Berliner jedes Jahr 70 Millionen Stück.

Auch über die Zutaten der Sauce wird im Museum Wundersames zutage gefördert: Zwiebeln etwa nutzten die alten Ägypter als Zahlungsmittel, und von Tomaten glaubte man hierzulande einst, dass ihr Verzehr Liebeswahn auslöse. Curry schließlich ist ein Missverständnis: Auf Tamilisch bezeichnet „Kari“ Saucen, die Fleisch-, Fisch- und Gemüsegerichte verfeinern. Die englischen Kolonialisten aber glaubten im 17. Jahrhundert, ein exotisches Gewürz in den Saucen heiße so. Unser „Curry“ heißt eigentlich „Garam Masala“.

Geheimtipps von Spitzenköchen zur Verfeinerung des Grundrezepts werden in der Ausstellung verraten, und an ketchuptubenförmigen Lautsprecherboxen kann man sich vergewissern, dass das deutsche Liedgut ärmer wäre ohne die Currywurst. Allerdings: Ein Song über diese Spezialität verhalf Herbert Grönemeyer einst zum Durchbruch. Alles Gute hat eben auch seine Schattenseiten. Außer Döner Kebab. Till Hein

Deutsches Currywurst-Museum, Schützenstr. 70 in Mitte, geöffnet täglich 10 - 22 Uhr; www.currywurstmuseum.com

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