Was machen wir heute? : Zähneputzen bei Gugggenheim

Plümper

Bei Guggenheim sind vier Preisträger der Villa Romana ausgestellt. Der Rentner und der Künstlerfreund sehen befremdet in den kahlen weißen Raum. In der Mitte bewegen sich zwei Plattenspieler, die englische Sprachfetzen absondern. Kein Hinweis auf die Namen der Künstler.

Rechts vier Bildschirme: Eine Frau, ein brauner Lockenkopf, putzt sich die Zähne, ganz genau und ausdauernd. Im Kopfhörer hört der Rentner eine harte, kalte Frauenstimme „Sie putzen ganz falsch die Zähne, müssten sie eigentlich wissen in ihrem Alter.“ Die Arme wienert auch Fenster, sie schneidet Gemüse, sie bügelt, aber alles ist den Stimmen nicht gut genug. Die beiden Freunde haben sich ein Faltblatt geben lassen, jetzt erst erfahren sie, der braune Lockenkopf ist die Künstlerin Asli Sungu.

In der Ecke liegen seltsame Stoffballen, grellorange, neonartig, von Farbe vollgesogen. Der Künstlerfreund findet das Material ekelhaft. Heimlich fasst er es an, aber erst ein Mitarbeiter klärt ihn auf: Es ist alles pure Acrylfarbe. In monatelanger Arbeit hat Asli Sungu Farbe gestrichen, trocknen lassen, immer wieder gestrichen.

Ein 12 Minuten langer Film von Clemens von Wedemeyer zeigt in ewiger Wiederholung einen Präsidenten, der hinter der Bühne zu einem Auftritt fertig gemacht wird. Der gerade gewählte Präsident will auf die Macht verzichten, er hält seinen politischen Einfluss für gering. Der Rentner ist gespannt, ob er die Rede wirklich vortragen wird und wie seine Wähler reagieren werden. Aber das bleibt ein Rätsel.

Die Freunde bemühen sich dann um die Installationen von Dani Gal. Sie interpretieren und interpretieren. Auf einer Projektionsfläche erscheinen einzelne Sätze. Als dort „Let´s go out for some fresh air,“ erscheint, sagt der Künstlerfreund: „Komm!“ Plümper

Von Florenz nach Berlin: Freisteller - Villa Romana-Preisträger 2008 Deutsche Guggenheim Berlin 26.4.-22.6.08 Unter den Linden 13/15. Man lasse sich unbedingt einen Übersichtsplan und die kostenlose Zeitschrift geben!

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