Was machen wir heute? : Zahnspange tragen

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Rein zahntechnisch gesehen, haben wir ein großes Jahr hinter uns, genauer: Josefine. Damit sind nur noch die epochalen Veränderungen frühester Kindheit vergleichbar: der Durchbruch ihrer ersten Hauerchen, schließlich das Ausfallen der Milchzähne. Damals hat noch die Natur den Weg gebahnt. Jetzt betätigen Dentisten die Regler. Dass in ihrer kleinen Schnute nicht alle Zähne Platz finden würden, war bald erkennbar. Früher oder später musste eine Klammer her. Doch Josefine konnte es nicht schnell genug gehen. Mit Brotrinde oder einer halben Gurkenscheibe vor dem Kiefer wurde die ersehnte Spange imitiert und selig nuschelnd der Zustand gespielt, den wir nun erleben. Seit diesem Jahr ist Josefine stolze Trägerin – mit neun im besten Alter dafür. Rund ein Viertel ihrer Klasse klappert mit, wenn sie die Kunststoffprothese in knallgelber Box während der Esszeiten um den Hals trägt. Auch das gehört zum Status einer Viertklässlerin.

Doch bis dahin war es ein steiniger Weg, den wir treu ergeben gegangen sind: Josefine voller Vorfreude auf das begehrte Utensil, die Eltern das künftig tadellose Gebiss ihres Kindes im Blick. Vier Milcheckzähne und blutige Zahnarztsitzungen später erklärte uns der neue Kieferorthopäde mit befremdetem Blick auf Josefines Gebiss: Das sei eigentlich nicht mehr state of the art, heutzutage würde nicht mehr derart radikal gezogen. Schließlich wäre Reihenextraktion die Folge. Zum Glück hörte Josefine nicht mehr zu, als er das Szenario weiterer Ziehungen darlegte. Mit Glück und geduldigem Tragen der Spange kämen wir allerdings drumherum.

Seitdem beobachten wir die kontinuierlichen Veränderungen in ihrem Mäulchen: verdrängte Zähne schieben sich nach vorn, klaffende Lücken schließen sich. Alle sechs Wochen spricht der Kieferorthopäde Lob und Anerkennung aus. Beim nächsten Mal hat auch ihr Zwillingsbruder Jan einen Termin, dem mittlerweile charmant ein Schneidezahn nach vorne ragt. Eigentlich sieht das gar nicht übel aus, zumindest individuell. Nicola Kuhn

In Berlin gibt es knapp 150 kieferorthopädische Praxen, die ihre Dienste anbieten.

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