Was machen wir heute? : Zeitlose Eleganz genießen

Brigitte Grunert

Die schönsten Franzosen sind wieder in New York, doch Berlin ist immer voller Attraktionen. Das Warten auf Einlass zur Impressionistenschau hat sich insofern gelohnt, als der Blick auf Plakate fiel, mit denen das Kunstgewerbemuseum oberhalb der Neuen Nationalgalerie in die Zauberwelt der Berliner Mode einlädt. Nun hat die Rentnerin also auch die schönsten Kreationen von Uli Richter beguckt.

Wie haben wir uns damals, in den fünfziger und sechziger Jahren, die Nasen an den Schaufenstern plattgedrückt, bei Horn und Nina Nolte am Ku’damm, wo die Kleidung unbezahlbar war. Unsereiner trug Selbstgenähtes, aber es sollte doch wenigstens ein bisschen nach Uli Richter und seinesgleichen aussehen. Eifrig haben wir Schnitte aus den Schnittmusterbögen der Modejournale herausgeradelt, und was für wundervolle Stoffe gab es zu kaufen.

Lange her, daran erinnert man sich beim Anblick der 130 ausgewählten Richter-Modelle. Vor zwei Jahren vermachte der Modeschöpfer seine Schätze dem Kunstgewerbemuseum, und nun widmet ihm das Museum anlässlich seines 80. Geburtstages eine Retrospektive. Man fühlt sich weit in die Vergangenheit versetzt und meint doch angesichts der zeitlosen Eleganz, dass manche Mäntel, Kostüme, Kleider gar nicht von gestern sind.

Was trug Rut Brandt als Kanzlergattin aus offiziellem Anlass? Was trugen Aenne Burda, Ebelin Bucerius, die Frau des Zeit-Verlegers, oder Ignes Ponto, die Frau des Bankers, der 1977 von Terroristen erschossen wurde? Uli Richter hat sie und andere prominente Kundinnen wie Hildegard Knef und Lili Palmer angezogen. Jugendlich, schnörkellos, sportlich, sanfte Farbtöne, das war der Stil Uli Richters. Vorbei, fast ein halbes Jahrhundert Berliner Modegeschichte hat er geschrieben. Brigitte Grunert

Uli Richter. Sonderausstellungshallen Kulturforum, Matthäikirchplatz, bis 6. Januar 2008, Öffnungszeiten Di - Fr 10 - 18 Uhr, Sa /So 11 - 18 Uhr.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben