Was machen wir heute? : Zierfleisch meiden

Sonja Niemann

Das absurdeste Wort, das ich in letzter Zeit gehört habe, war „Zierfleisch“. Es lässt ekelhafte und im Zweifelsfall auch frauenfeindliche Assoziationen zu, und ich war kurz davor, Kollege M. als Urheber dieser Wortschöpfung schlimme Vorwürfe zu machen.

War aber alles ganz harmlos: M.s „Zierfleisch“ ist eine Art Schwamm in Kotelettform und -musterung, den er beim Arbeiten am Computer als Unterarmstütze benutzt. Was im übrigen eine Zweckentfremdung des „Zierfleisches“ ist, denn angeblich stammt das Ding aus Thailand und ist dafür gedacht, es nass zu machen und jemanden damit zu bewerfen.

Fleisch und ich – das ist eine lange, schwierige Geschichte, darin kommen Königsberger Klopse um elf Uhr morgens vor sowie „Berentzen Saurer Apfel“, genossen in der langen Nacht davor. Inzwischen bin ich Fisch essende Fast-Vegetarierin.

Neulich, beim Mittagessen bemerkte ein fleischessender Kollege unvermittelt dies: „Wer dem Tod unmittelbar ins Auge blicken möchte, muss eine Packung billigen Formvorderschinken öffnen und schauen, wie der Saft da rausquillt.“ Schon schmeckte den Umsitzenden ihre Pizza Hawaii nur noch halb so gut.

Manchmal finde ich es aber sehr schade, dass ich kein Fleisch esse. Zum Beispiel jetzt, da die Grillwürstchensaison wieder angefangen hat. Ich mag den Geruch, er erinnert mich an lange Abende am Baggersee bei 25 Grad. Der Geruch eines Tofuwürstchens bringt’s ja doch nicht.

Nun habe ich in dieser Zeitung die Trends der Grillsaison 2008 gelesen: laut Deutschem Fleischerverband sind „leichtes Fingerfood“ auf dem Grill und „kreative Wurst-Kompositionen mit Holunderbeeren und Lavendel“ im Kommen. Heißt das, das klassische Grillwürstchen stirbt aus? Und was ist eigentlich mit der Berliner Currywurst? Gibt es bald nur noch Zierfleisch? Da ist selbst die Fast-Vegetarierin besorgt. Sonja Niemann

Ich habe keine Ahnung von Würstchen, aber „Curry 36“ am Mehringdamm soll sehr gut sein.

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