Was machen wir heute? : Zwei Villen am Wannsee besuchen

Brigitte Grunert

Der einstige Sommersitz Max Liebermanns am Wannsee ist ein Kleinod, zu dem man gern mit auswärtigem Besuch pilgert, um den liebevoll rekonstruierten Garten und die Liebermann-Bilder im restaurierten Haus zu bewundern. Doch auch der neue Nachbar hat es in sich; seit einem Jahr lädt die Villa Thiede (einst Hamspohn) ebenfalls zum Garten- und Kunstgenuss ein.

Die Geschicke der beiden Anwesen ähneln sich nicht zufällig. Derselbe Architekt, Paul Baumgarten, baute 1906 das Landhaus für den AEG-Direktor Johann Hamspohn und 1909 die Villa Liebermann. 1940 erwarb die Reichspost beide Villen, später dienten sie als Krankenhaus, dann als Vereinshäuser für Wassersportler. Die Max-Liebermann-Gesellschaft Berlin sorgte schließlich für die Wiederherstellung des Anwesens mit Hilfe von Spenden und ehrenamtlicher Arbeit. Die Familienstiftung des Unternehmers Jörg Thiede kaufte 2004 die Nachbarvilla und renovierte sie denkmalgerecht. Dabei halfen Jugendliche, die von der Stiftung gefördert werden.

Wildwuchs und Kunst geben dem Garten der Villa Thiede seinen Reiz. Auf der Ökowiese stehen eine fast 100-jährige Rotbuche und eine noch ältere Linde, mittendrin Skulpturen von Volkmar Haase und eine von Bernhard Heiliger. Der Kunstsalon im Haus ist der Recession gewidmet, die Liebermann 1898 begründete. Glanzstücke sind neuerdings zwei Leistikows vom Grunewald- und Schlachtensee. Die Überraschung aber ist eine Sonderausstellung über die lange vergessene Künstlerin Julie Wolfthorn, Mitbegründerin der Recession, gestorben 1944 im KZ Theresienstadt, Jüdin wie die Liebermanns. Beide Häuser und Gärten erzählen viel von die Historie am Wannsee, die auch fast vergessen war. Was Bürgerengagement doch bewirkt, ohne einen Cent der öffentliche Hand. Brigitte Grunert

Liebermann-Villa am Wannsee, Colomierstraße 3, geöffnet täglich außer dienstags 10 bis 18 Uhr, donnerstags bis 20 Uhr. Villa Thiede, Am Großen Wannsee 40, geöffnet dienstags bis sonntags 11 bis 18 Uhr.

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