Was macht Klaus Wowereit nach seinem Abschied? : Zimmer frei in der Volksbühne

Klaus Wowereit hat sein Amtszimmer im Roten Rathaus besenrein an Nachfolger Michael Müller übergeben. Und jetzt? In der Volksbühne wird bald das Intendanten-Chefzimmer von Frank Castorf frei. Da könnte er doch einziehen! Ein Zukunftsszenario.

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Klaus Wowereit hat sein Amtszimmer im Roten Rathaus verlassen.
Besenrein: Klaus Wowereit hat sein Amtszimmer im Roten Rathaus verlassen.Foto: dpa

Ja, zu Klaus Wowereits Abschied ist nun wirklich alles gesagt. Besenrein hat er die Kulturverwaltung seinem Nachfolger Michael Müller übergeben. Doch halt – liegt da nicht noch ein kleines Häuflein Kartoffelsalat in der linken Ecke?! Vielleicht hat es ja doch etwas zu bedeuten, dass Wowereit auf den letzten Drücker noch entschieden hat, wer Claus Peymanns Nachfolger am Berliner Ensemble werden soll, während ihm zur Zukunft von Frank Castorfs Volksbühne nur ein maliziöses Lächeln abzuringen war.

Sollte sich Klaus Wowereit womöglich selber als Kandidat für den Rosa-Luxemburg-Platz ins Spiel gebracht haben, per Initiativbewerbung bei Staatssekretär Tim Renner? Laufen hinter den Kulissen bereits geheime Vertragsverhandlungen? Wowi als Quer-Einsteiger im Bühnenbusiness, die Vorstellung ist verlockend: Aus dem Regierenden wird ein Regieführender, zu seiner Rechten als Chefdramaturg der aus der Bar jeder Vernunft abgeworbene Holger Klotzbach, zu seiner Linken als Haus-Choreograf Otto Pichler. Cynthia Barcomi übernimmt die Kantine, Alfred Biolek wird Schirmherr – und André Schmitz kehrt zurück an die Wirkungsstätte seiner frühen Jahre, der er bereits von 1992 bis 97 als Verwaltungsdirektor verbunden war.

Impresario Klaus Wowereit?

Das Maxim Gorki Theater hat sich mit postmigrantischer Dramatik profiliert, unter Oliver Reese soll das Berliner Ensemble zum Experimentierfeld für Gegenwartsautoren werden, im Deutschen Theater gibt es laut Schauspielstar Ulrich Matthes das „in der Breite beste Ensemble der Stadt“. Da braucht Impresario Klaus nicht lange zu grübeln, in welcher Nische er sich mit der Volksbühne breit machen kann. Ein paar Anrufe des Profi-Netzwerkers bei seinen Freunden, und der spektakuläre Spielplan für die Eröffnungssaison steht: Judy Winter in der Titelrolle von Dürrenmatts „Besuch der alten Dame“, Désirée Nick als „Käthchen von Heilbronn“, die Geschwister Pfister in „Die Drei von der Tankstelle“. Und Gayle Tufts übernimmt die Rolle der Tante Polly in einer Bühnenadaption von Mark Twains Klassiker „Die Abenteuer des Huckleberry Finn“. Alles ohne wackelnde Handkamera und exzessive Brüllorgien à la Frank Castorf. Willkommen im Tingeltangeltempel am Rosa-Luxemburg-Platz!

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