Kultur : Was nicht passt, wird passend gelacht

Ku’damm-Theater: „Das Andalusische Mirakel“

Sarah Hofmann

Das Schwein hat „muh“ gemacht. Dies ist das Wunder von San Miguel. Vor genau einhundert Jahren tauschten Kuh und Schwein ihre Körper. Zumindest erzählt das Juan (Francisco Rodriguez), Kellner des einzigen Hotels eines andalusischen Dorfes, in das sich das Theater am Kurfürstendamm verwandelt hat. Die Komödie des Grimme-Preis-gekrönten Autorenteams Dietmar Jacobs/Lars Albaum „Das Andalusische Mirakel “ bezieht das Publikum mit ein, die Zuschauer stellen sozusagen die Dorfbewohner. Und, es ist kaum zu glauben, die Berliner lassen sich schon in den ersten zehn Minuten von Jochen Busse so auflockern, dass sie zu freudig „Olé!“ rufenden und mit Castagnetten klackernden Spaniern mutieren. Sogar ein Antonio, der Dorfmechaniker, findet sich spontan. Ein Mitfünfziger meldet sich für die Rolle des muskulösen Latin-Lovers, was wunderbar zur Absurdität des Stückes passt, in dem alles, was auf den ersten Blick nicht passt, kurzerhand passend gemacht wird.

Hubertus Heppelmann (Jochen Busse) ist leidenschaftlicher Nörgler, die Spanier kann er mit ihrer Siesta-Mentalität ohnehin nicht leiden, zu der Geschichte vom Mirakel bemerkt er nur trocken, da müsse der Urgroßvater von Juan wohl 3,8 Promille gehabt haben. Er muss sich eines Besseren belehren lassen. Durch einen Zusammenstoß mit der jungen Nelly (Kerstin Radt) tauscht er mit ihr Körper und Seele. Das Schwein macht „muh“ und Hubertus zieht sich nicht nur Nellys „Zicken“-Pullover an, er spricht auch fortan vom süßen Surferfreund Benni, tanzt und turnt auf dem Bett herum. Die überdrehte Studentin, deren Mischung aus Naivität und Selbstbewusstsein zuvor lässig humorvoll von Kerstin Radt unterstrichen wurde, schreckt auch in falschem Körper nicht davor zurück, Hubertus Beziehungstipps zu geben. Ein bisschen Liebesgeschichte integriert sich auch noch in das Stück.

Seine Stärke liegt aber vor allem in den schlagfertigen Dialogen und der Fähigkeit der Schauspieler, sie zweisprachig umzusetzen. So wiederholt Edelgart Heppelmann (Monica Kaufmann) noch einmal die vielen Beziehungsstränge, die Juan zuvor als „direkte Leitung zum Papst“ auf Deutsch mit spanischem Akzent erläutert hatte, in perfektem Spanisch. Klischees und Vorurteile werden lustvoll demontiert. Olé.

Theater am Kurfürstendamm, bis 24. September, Di-Sa 20 Uhr, So 18 Uhr.

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