Kultur : Was nicht wehtut

ARCHITEKTUR

Bernhard Schulz

„Es werden wieder Kirchen gebaut“, beginnen die Herausgeberinnen Ingeborg Flagge und Annina Götz ihr Vorwort zum neuen Jahrbuch des Deutschen Architektur-Museums Frankfurt (DAM Jahrbuch 2003. Architektur in Deutschland. Prestel Verlag, München 2003, 192. S. m. 230 Abb., kt. 39,95 €). In der Tat versammelt das Jahrbuch eine beeindruckende Fülle von sakralen Neubauten, die beinahe schon an die Hoch-Zeit des bundesdeutschen Kirchenbaus in den Fünfzigerjahren heranreichen. Erneut ist es das Gebiet der „alten“ Bundesrepublik, auf dem die Mehrzahl der verzeichneten Kirchen entstanden ist; lediglich die Gemeindekirche im sächsischen Radebeul von Staib Architekten (Stuttgart) bildet eine Ausnahme. Kontinuitäten, wohin man blickt: So baut in Köln mit Paul Böhm nun schon die dritte Generation der rheinischen Baumeister-Familie eine Kirche. Die Idee der Herausgeberinnen, die vorgestellten Gebäude – neben den Kirchen das übliche Spektrum von Neubauten – von Architektenkollegen besprechen zu lassen, liefert allerdings kaum die versprochene „neue Perspektive“. Man tut einander nicht weh; und auch, wenn man prononcierte Kritik ohnehin nicht von dem auf – neudeutsch – Akzeptanz angelegten Jahrbuch der DAM-Chefin Ingeborg Flagge erwartet, sollte eine kritische Distanz doch eingehalten werden. So setzt das DAM-Jahrbuch die Entwicklung zum Bilderbuch fort, zum Nachschlagewerk, weg von einer grundsätzliche Zusammenhänge ausleuchtenden Instanz. Immerhin: Der einleitende Aufsatz stammt von Wolfgang-Jean Stock, der mit seinem Buch „Europäischer Kirchenbau 1950-2000“ im Vorjahr das Standardwerk zum Thema vorgelegt hat.

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