Kultur : Was sagt der Koran zum Klonen?

Die Adenauer-Stiftung lädt zur Bioethik-Debatte

Ruth Ciesinger

Die Idee ist schlicht: Sollen zwei sich kennen lernen, lasst sie über etwas Drittes sprechen. Eigene Prinzipien müssen dann nicht kompromisslos verteidigt werden, trotzdem tragen persönliche Ideen die Argumente. Dass dem Christentum und dem Islam mehr Austausch nicht schaden kann, ist unbestritten, und dass sich – zumindest in Deutschland – über die Bioethik stundenlang debattieren lässt, ebenso. Die Konrad-Adenauer-Stiftung hat deshalb ihren christlich-islamischen Dialog diesem Thema gewidmet: eine Berliner Diskussion mit erstaunlichem Ergebnis.

Zwar sind sich alle Anwesenden einig, reproduktives Klonen, also das Klonen um der Fortpflanzung Willen, stehe außerhalb jeder Diskussion: Der Mensch darf sich nicht als Schöpfer gerieren. Doch sonst geben sich die Katholiken deutlich strikter als die Moslems. Der Generalsekretär der Deutschen Bischofskonferenz, Hans Langendörfer, setzt den Beginn des Lebens mit der Verschmelzung von Spermium und Eizelle gleich, das gilt auch den hier versammelten christlichen Moralethikern als unumstößlich. So verbietet sich auch jede Debatte über das Forschungsklonen, bei dem keine Menschen gezüchtet, wohl aber aus embryonalen Zellhaufen Stammzellen gewonnen werden. Die islamische Argumentation interessiert sich dagegen weniger für die konsequente Einhaltung eherner Prinzipien. Sie blickt vielmehr in die Zukunft und fragt nach dem Nutzen für den Menschen. Auch wenn das Leben an sich heilig ist, sollte ein Abwägen zwischen verschiedenen Gütern möglich sein.

Das fällt womöglich deshalb leichter, weil das Leben des Embryos nach muslimischer Auslegung erst später beginnt und verschiedene Ansichten von Rechtsgelehrten mangels strenger Kirchenhierarchie nebeneinander existieren können. Abgesehen davon, dass sich in vielen islamischen Ländern aufgrund des niedrigeren Forschungsstands die konkrete Debatte ohnehin erübrigt. Die tunesische Professorin Sihem Debabbi Missaoui besteht aber darauf, dass zwar manches, was der Koran im Prinzip verbietet, in Notsituationen trotzdem erlaubt ist, und das Klonen, so es Menschen heilt, deshalb nicht verboten werden darf. Diese Haltung gibt Einblick in einen Islam, der wenig zu tun hat mit dem Bild vom religiösen Fanatiker.

Es gibt auch Christen, vor allem evangelische Theologen, die diese Argumentation teilen. Deren Vertreter kommen bei diesem Bioethik-Dialog zwar nicht zu Wort. Denoch bleibt der Eindruck: Die Unterschiede zwischen christlichen Positionen können größer sein als zwischen Christentum und Islam.

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