Kultur : Was trage ich zum jüngsten Gericht

Wenn die Pariser Haute Couture ihre neuesten Modelle vorführt, fragt sich so manche ratlose Betrachterin: Wer soll um Gottes Willen diese skurrilen Kopfgeburten tragen? Die Londoner Hayward Gallery gibt auf die alte Frage eine originelle Antwort.Unter der Überschrift "100 Jahre Kunst und Mode" führt sie die Schnittstellen zwischen (zweckfreier) Kunst und (zweckgebundener) Mode vor.Während Künstler wie Matisse, Léger und Dufy Bühnenkostüme entwarfen, provozierten Modeschöpfer wie Elsa Schiaparelli oder Paco Rabanne ihre Kundschaft mit "untragbaren" Kleidern aus Knöpfen oder Blech und Schuhen, die aussahen wie wuschlige Schloßhündchen.In der Pariser Surrealisten-Ausstellung von 1938 waren mehrere als Straßendirnen verkleidete Schaufensterpuppen zu sehen.Die von André Masson trug einen Vogelbauer auf dem Kopf, einen Spiegel vor der Scham - und sonst nichts.Salvador Dalis Beitrag war eine mit Schnapsgläsern behängte "aphrodisische Smokingjacke"; statt des Kummerbunds empfahl der Künstler einen Büstenhalter.Die Ausstellung beweist, daß es auch unseren Zeitgenossen nicht an Phantasie mangelt.Die in Paris lebende Lucy Orta hat sich auf Flucht- und Überlebensgarderobe spezialisiert.Der abgebildete "Collective Survival Sac" für zwei Personen (1994) soll sicherstellen, daß ihre Träger beim Weltuntergang jedenfalls korrekt angezogen sind.In einer Ecke dürfen die Besucher einige der robusteren Kostüme anprobieren, was sie auch mit entzücktem Gesicht tun.Bis 11.Januar.Katalog 10 Pfund.Vom 26.Februar bis 23.Mai 1999 wird die Ausstellung im Kunstmuseum Wolfsburg zu sehen sein. JvU

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