Kultur : Wasser im Getriebe

Warum die Sanierung der Staatsoper teurer wird.

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Arbeitsbühne. Unter den Linden wird wohl noch lange und teuer gebaut. Foto: dpa
Arbeitsbühne. Unter den Linden wird wohl noch lange und teuer gebaut. Foto: dpaFoto: dpa

Die Senatsbaudirektorin kann nichts erschüttern, keine Grundwassereinbrüche, keine Holzpfähle im Berliner Untergrund. Mit Schweizer Ruhe und Diskretion erläutert Regula Lüscher der Presse, was eigentlich die Abgeordneten zuerst erfahren sollten: Die Sanierung der Staatsoper Unter den Linden wird tatsächlich teurer als geplant. Für Mehrkosten und Unvorhersehbares in den weiteren Bauabschnitten hat die Bauverwaltung insgesamt 45,6 Millionen Euro errechnet. Mit diesem kräftigen Nachtrag erhöht sich die Gesamtsumme des Projekts von 242,3 Millionen auf 287,9 Millionen Euro.

Die Gründe für die Kostenexplosion liegen verborgen vor den Augen der Rechnungsprüfer, tief unter der Staatsoper. Vor allem die Konstruktion der Baugrube für das neue Unterirdische Bauwerk (UBW), das das künftige Probenzentrum mit dem Opernhaus verbindet, erwies sich aufwendiger als geplant. Der Nutzen des UBW wurde mehrfach öffentlich in Zweifel gezogen. Auch die Abdichtung der Staatsoper selbst gegen den enormen Druck des Grundwassers erforderte schwierigere Eingriffe als angenommen. Dazu benötigt die Statik des Hauses zusätzlich ein stützendes Stahlkorsett, um das Dach anheben zu können. Einsparungen ließen sich im Bauverlauf durch den Verzicht auf einzelne Maßnahmen jetzt nicht mehr erreichen, erklärte Lüscher. „Der point auf no return im Bau ist erreicht.“ Wann das Ensemble der Staatsoper in ihr Haus zurückkehren kann, ist dagegen ungewiss. Nach Verschiebungen soll die Eröffnung aktuell am 3. Oktober 2015 stattfinden – ein Termin, den die Senatsbaudirektorin inzwischen selbst für „sehr kritisch“ hält. Erst im Februar 2013 könne man wissen, ob er noch zu halten sein wird.

Ungehalten über die Kostensteigerung bei der Staatsopernsanierung zeigte sich unterdessen die Grünen-Fraktion im Abgeordnetenhaus, die wegen der aus ihrer Sicht „unseriösen Planungen“ auf Akteneinsicht pocht. Die Piratenfraktion sprach von einem „Skandal“. Noch mehr Ärger droht in der Sitzung des Hauptausschusses am heutigen Mittwoch. Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) hat eine Beteiligung des Bundes an den Mehrkosten für die Staatsoper bereits vor der Zusammenkunft der Haushälter kategorisch ausgeschlossen. Der Bund hatte 2007 zugesagt, die Sanierung mit 200 Millionen Euro zu finanzieren. „Summen, die darüber hinausgehen, sind von Berlin zu tragen“, betonte Neumann.

Mit dem von der Bauverwaltung errechneten Nachtrag erhöht sich der Berliner Anteil von 39,3 auf nunmehr 84,8 Millionen Euro – um mehr als das Doppelte. Zusätzlich spielt das Staatsopernensemble in seinem 400 Plätze kleineren Ausweichquartier Schillertheater weniger ein: 4 Millionen Euro fehlen so im Budget der Oper pro Jahr. Dem angespannten Hauptstadthaushalt droht ein weiteres Leck. Hilfe von der Staatsopernfreundin Angela Merkel scheint diesmal nicht in Sicht. Ulrich Amling

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