Kultur : Wasser marsch

Silvia Hallensleben

Für WM-Muffel wird es ernst: Das Jewish Film Festival kommt mit „Talmud und Toren“, die Kurzfilmattacke schlägt mit „Kick Off“ zu. Bei dem heute Abend im Babylon-Mitte beginnenden filmPOLSKA-Festival ist der Fußball ins Eröffnungsprogramm vorgerückt. Der Kurzfilm „Was geschah in Frankfurt am 4.6.1974“ von filmPOLSKA-Kurator Kornel Miglus und Elwira Niewira beschäftigt sich mit der so genannten Frankfurter Wasserschlacht, die 1974 die Nationalmannschaften Polens und der BRD zu einem Extrem-Event zusammenführte, das weniger an Sport, mehr an das einst beliebte Fernseh-„Spiel-ohne-Grenzen“ erinnert. Der Völkerfreundschaft diente das Geschehen nicht unbedingt. Dem kann der Film jetzt mit dokumentierender Vergangenheitsbewältigung abhelfen. Auch sonst hat sich die Veranstaltung der gutnachbarlichen Begegnung verschrieben. Dabei kommt in zehn Tagen ein breites Spektrum vom Klassiker bis zu Studentenfilmen inklusive Regieworkshop (www.polnischekultur.de) vor.

Das Thema von Piotr Matwiejczyks festival-eröffnendem Homo Father hat in den letzten Monaten an Brisanz gewonnen, weil der neue polnische Präsident Lech Kaczynski mit aggressiven Parolen gegen Homosexuelle Stimmung macht: „Homo Father“ erzählt von der schwierigen Liebe eines schwulen Paares in einem ebenso übererotisierten wie homophoben Land. Der letztes Jahr auf dem Filmfestival in Gdynia mit dem Spezialpreis ausgezeichnete Film war – wie andere des Programms – Ende April schon in einer dem polnischen Independent Cinema gewidmeten Reihe im gleichen Kino zu sehen. Rätselhaft ist die Entscheidung, den Großteil des erfreulich hohen Anteils an Filmen von Regisseurinnen unter dem Titel „Frauen filmen und Frau im Film“ zu separieren. Zum Ausgleich wünscht man sich nächstes Mal eine Reihe „Männer filmen und Männer im Film“.

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