Wassereinbruch : Wiener Albertina: Hase im Regen

"Krisenkommunikation" ist ein relativ neues Wort, und Klaus Schröder ist neuerdings sogar für die Koordination der Krisenkommunikation zuständig. Und zwar genau seit dem Moment, als der Wiener Albertina am Dienstag letzter Woche nach tagelangen Regenfällen 2000 Liter Wasser ins Depot geschwappt sind.

Mirko Weber

Dort verwahrt das Museum 65.000 Handzeichnungen und eine Million Druckgrafiken, von Michelangelo bis Picasso und Baselitz. Mit Menschenarmen läßt sich das nicht mehr sortieren, denn die Boxen mit den Bildern lagern teilweise 13 Meter hoch. Im Depot regiert der Roboter. Wenn er denn im Amt ist.

An jenem Dienstag aber war er es für einige lange Minuten nicht – bis die Männer von der Elektrofirma Heinzl da waren: Kurzschluss in der Starkstromleitung. Vierzehn Minuten nach dem Wassereintritt klingelte das Mobiltelefon von Klaus Schröder. Da war er in Gloucestershire und beim Künstler Damien Hirst zu Gast. Schröder jettete heim nach Wien, derweil, alle Dienstregeln missachtend, Helmut Myslik (Leiter des sogenannten Facility Managements) Hand anlegte und aus dem Depot schleifte, was ihm gerade in die Finger fiel. „Händisch“, sagt Myslik.

Der Mann mit den Schatten unter den Augen und die Stellvertreterin des Direktors, Marie Luise Sternath, haben also den Laden geschmissen, und man weiß das so genau, weil ihr aller Chef jetzt in der ihm eigenen, man könnte sagen: wasserfallartigen Redeschwallart den Dienstag rekonstruiert hat, anderthalb Stunden lang. Neben ihm, im Seitentrakt der Albertina, lauter müde Männer und Frauen, mittendrin aber Schröder, manisch munter. Klaus Schröder, der sich in Wien öfter mal Ärger einhandelte, etwa weil er Dürers berühmtem Feldhasen einmal Ausgang in den Madrider Prado spendierte, Klaus Schröder also, sieht in der gerade noch abgewendeten „Katastrophe“ nichts geringeres als einen „Gottesbeweis“, aber auch „ein Symbol unserer Zeit“. Weniger ist nicht, weil mehr hätte passieren können.

Das Bizarre ist, dass an Wasser kein Mensch gedacht hatte. Das Depot, für fünf Millionen Euro nach Schweizer Vorbild gebaut, ist natürlich feuerfest und sollte auch allen anderen Elementen trotzen. Selbst Staub hat hier kein leichtes Dasein. Wenn es aber mal ein bisschen Dreck gibt, wer putzt den dann? Diese Frage hat sich Helmut Myslik vor drei Jahren gestellt und dann Blechdächer auf die Boxentürme schrauben lassen. Von denen ist das Wasser abgetropft und nicht eingesickert. Das „Wunder“ der Albertina: Myslik war’s.

Doch woher eigentlich kam das Wasser? Die Abdeckung des Stahlbeton-Tiefbaus erfolgte „gemäß den Standards der Önorm für wärmegedeckte Parkdecks“, heißt es. Parkdecks – gibt es da nicht öfter Pfützen? Na gut, man ist Laie. Nun werden der Albertina ein paar leicht gewellte Blätter bleiben und das Gefühl, dass es, trotz Schweizer System, schnell aus sein kann. Das Depot wird jetzt technisch nachgebessert. Dabei, sagt Klaus Schröder, schon wieder der alte, alerte Kulturmanager, spiele „Geld keine Rolle!“ 

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