Kultur : Wechsel im Kabinett: Gut für die Deutschland AG

Lars von Törne

Wäre die Bundesregierung ein Unternehmen, dann könnte der regelmäßige Austausch von Führungskräften durchaus gut fürs Geschäft sein. Aus der Sicht eines Unternehmensberaters ist es der Deutschland AG sogar zu empfehlen, hin und wieder einen Minister abzulösen. "Solche Schritte tun der Politik ebenso gut wie der Wirtschaft", sagt Frank Ebisch, Sprecher der renommierten Unternehmensberatung Kienbaum & Partner. Gelegentliche Wechsel an der Spitze brächten eben frischen Wind in den Betrieb.

Ein Ausstieg wie der von Kulturstaatsminister Michael Naumann nach nur zwei Jahren Dienstzeit ist deswegen aus unternehmerischer Sicht wenig spektakulär. "Das ist ein relativ normaler Vorgang", sagt Ebisch. Zumal die bisher insgesamt vollzogenen fünf Wechsel an der Spitze der Schröder-Regierung auch im Vergleich zu anderen europäischen Ländern nichts Außergewöhnliches darstellten.

In der Wirtschaft geht der Trend allemal schon seit einiger Zeit zum schnelleren Austausch von Führungskräften. Große Konzerne - und eben auch die deutsche Bundesregierung - "leben von ihren Entscheidungsträgern, von deren Aura und ihrer Durchsetzungsfähigkeit", sagt Ebisch. "Und in Krisenzeiten machen die Männer an der Spitze eben das Quäntchen aus, bei dem es um Erfolg oder Misserfolg geht." Beispiele wie Daimler-Chrysler oder Ford zeigten, dass in der Wirtschaft inzwischen immer stärker darauf geachtet werde, "ob jemand auf der Vorstandsebene die erforderte oder gewünschte Leistung bringt oder nicht". Gerade bei börsennotierten Unternehmen "rollen heutzutage sehr schnell die Köpfe", sagt Ebisch. "Das ist aber nicht negativ", betont er, "sondern man muss in der globalisierten Welt so reagieren und neue Leute an die Spitze holen, wenn man sich davon eine Besserung für das Unternehmen verspricht."

Dennoch gibt es auch aus Sicht des Unternehmensberaters Grenzen, wann ein reger Personalwechsel für das Unternehmen nachteilig sein kann. "Wenn Gerhard Schröder jetzt drei Viertel seines Kabinetts austauschte, dann würde das nach außen einen schlechten Eindruck machen", sagt Ebisch. Allerdings seien für die kontinuierliche Arbeit des Kabinetts - wie auch bei einem großen Unternehmen - eben nicht nur die obersten Führungskräfte wichtig. "In den Apparaten unter dem Vorstand und der Geschäftsführung sitzen die Leute, die den Laden schmeißen und zusammenhalten." Ein ernstes Problem für die Deutschland AG entstehe erst dann, wenn neben den Chefs auch auf der mittleren Führungsebene zu viele Mitarbeiter ausgetauscht würden. "Dann stockt die Arbeit, was für das Unternehmen enorme Auswirkungen haben kann." Deswegen müssten in erster Linie diejenigen Leistungsträger gehalten werden, die für das reibungslose Funktionieren des Unternehmens verantwortlich sind. Oder man müsse ihnen - wie im Fall von Reinhard Klimmts Nachfolger, seinem früheren Staatssekretär Kurt Bodewig - die Chance geben, für den ausgestiegenen Chef nachzurücken.

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