Kultur : Wehrmachtsausstellung: Der ärgste Kritiker

Klaus Bachmann

Die Wehrmachtsausstellung war vor allem durch die Recherchen des Historikers Bogdan Musial in die Kritik geraten. Der eher unauffällige und bescheidene Mitarbeiter des Deutschen Historischen Instituts in Warschau ist alles andere als einer, der aus politischen Gründen bereit wäre, die historische Schuld der Wehrmacht zu leugnen und rechtsradikalen Verharmlosern des Zweiten Weltkrieges nach dem Mund zu reden.

Der gebürtige Pole war Mitglied der Solidarnosc und emigrierte 1985 nach Deutschland, wo er später in die SPD eintrat. Der gelernte Mechaniker kam erst spät zur Geschichtswissenschaft. Seine Doktorarbeit schrieb er über die deutsche Zivilbesatzung im besetzten Polen und ihre Verwicklung in den Völkermord an den polnischen Juden. Den ersten Verdacht gegen die Wehrmachtsausstellung schöpfte er bei Recherchen über die Kriegsereignisse in Ostpolen zu Beginn des Russlandfeldzugs. Zeitzeugen kannten manche der Bilder - aber aus einem ganz anderen Zusammenhang. Musial veröffentlichte seine Erkenntnisse in einem Aufsatz, der letztendlich die Ausstellung zu Fall brachte. Späte Genugtuung, denn die Macher der Austellung hatten zuvor sogar gegen ihn prozessiert. Um sich gegen den Beifall von rechtsradikaler Seite zu wehren, betont Musial stets, ihm liege nichts daran, die Wehrmacht als solche reinzuwaschen. Zweifel daran wurden laut, nachdem er in diesem Jahr eine wissenschaftlich angreifbare Studie veröffentlicht hat, in der er versucht, die Brutalisierung des Russlandfeldzuges mit den sowjetischen Verbrechen gegen die polnische und ukrainische Bevölkerung zwischen 1939 und 1941 und deren Entdeckung durch die deutsche Wehrmacht zu erklären.

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