Kultur : Weiche Hülle, harter Kern: Die "Dicken" vom Friedrichstadtpalast

Laut rauscht sie auf, des Dichters Lyra: "Dies ist die Wiedergeburt Griechenlands mitten in Berlin!" Friedrich Dieckmann besichtigt den Berliner Friedrichstadtpalast - "unser überdachtes Epidauros" -, und Ausrufe des Entzückens entfahren seiner Brust ob der Architektur der Zuschauertribüne, die sich im Beinahe-Halbrund um die Bühne schmiegt.Hellas-Assoziationen kommen Dieckmann auch beim Anblick der Tänzer: "Viele wohlgeformte Damen und Herren, welche etwas vertreten, das auf dem antiken Theater der Chor hieß, die aber, anders als diese, kein Wort sagen, sondern nur ihre Gliedmaßen sprechen lassen!" Allein, wie er das findet, was hier und heute im größten Revue-Theater Europas über die Bühne geht, verrät der Schriftsteller nicht in seinem klugen Beitrag zum neuen Friedrichstadtpalast-Bildband, der jetzt im Helmut Metz Verlag herauskommt (184 Seiten, 19,80 Mark).Intendant Alexander Iljinskij hält sich erwartungsgemäß weniger zurück, wenn es darum geht, den künstlerischen Impetus seines Hauses zu beschreiben: "Wir fördern unmittelbar das Empfinden von Schönheit und Ästhetik." Wie das konkret aussieht, hat Jim Rakete für den großformatigen, zeitgeistig durchgestylten Band dokumentiert: Viele vorhersehbare und ein paar unerhoffte Einblicke gewährt der Fotograf in die harte Arbeit vor und hinter der Szene.Eine Arbeit, bei der man nie genau weiß, ob da Schweißperlen oder Strass-Steinchen auf den grellbunten Kostümen blitzen.Davon berichten auch die zumeist launig geschriebenen Reportagen über Tänzer, Musiker, Techniker und Beleuchter - das Leichte, hier spürt man es, ist immer das Schwerste.Daran hat sich seit den Griechen nichts geändert.

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