Weihnachtskonzert des RSB : Wie es ihm gefällt

Ihr traditionelles Weihnachtskonzert widmen Marek Janowski und sein Rundfunk Sinfonieorchester Berlin diesmal ganz Ludwig van Beethoven.

von
Yulianna Avdeeva
Yulianna AvdeevaFoto: Harald Hoffmann

Irgendwann musste es ja passieren. Beim traditionellen Weihnachtskonzert des Rundfunk-Sinfonieorchesters mit seinem Chefdirigenten Marek Janowski ist in der ausverkauften Philharmonie Routine zu hören, Musizieren als Berufsausübung. Wer in den vergangenen zwölf Jahren die begeisternde Erfolgsgeschichte des Dirigenten und der Berliner Musiker nicht so intensiv mitverfolgt hat, mag an dieser Aufführung von Beethovens „Pastorale“ uneingeschränkt die perfekt austarierten Proportionen bewundern, das glänzende Zusammenspiel eines in jeder Gruppe homogenen Orchesters. Da wird jede Nebenstimme bedacht und zur Geltung gebracht, da sind die Details der klassizistischen Satzbaustruktur blitzsauber gearbeitet, da werden die Naturschilderungen dieser sinfonischen Landpartie minutiös nachgemalt.

Doch die edlen Oberflächen wirken wie mit Lack versiegelt. Janowskis Musiker wissen einfach zu genau, was ihr Chef will, sie kennen seinen Stil, seinen Zugriff, seinen Geschmack – und liefern genau das ab. Die Partituren vergangener Jahrhunderte aber können nur dann zum Leben erwachen, wenn sie stets aufs Neue entdeckt werden, wenn alle Beteiligten bei der Sache sind, als spielten sie das Werk zum ersten Mal. So wie man es sonst vom RSB gewohnt ist.

Großen Eindruck auf das festlich gestimmte Publikum macht vor der Pause die handwerkliche Virtuosität der Solisten in Beethovens Tripelkonzert. Die Geigerin Carolin Widmann, die Pianistin Yulianna Avdeeva und der Cellist Wolfgang Emanuel Schmidt sind tolle Kammermusiker – aber sie denken gar nicht daran, in diesem Stück für drei Stars als Künstlerpersönlichkeiten untereinander in Wettstreit zu treten. Ungünstig wirkt sich zudem aus, dass die Pianistin den beiden Streicher den Rücken zudrehen muss. Yulianna Avdeeva bleibt darum klanglich weitgehend zu defensiv, während Carolin Widmann und Wolfgang Emanuel Schmidt zwar freundliche Blicke austauschen, interpretatorisch dann aber doch vor allem introvertiert den eigenen Tönen nachlauschen. So verständig und feinsinnig jeder seinen Part interpretiert: Ohne den Flirt mit dem Publikum, ohne den Versuch, sich raumgreifend in Szene zu setzen, bleibt dieses Tripelkonzert ein Trio mit obligater Orchesterbegleitung, das deplatziert wirkt in der dafür viel zu großen Philharmonie.

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