Weihnachtskonzert im Berliner Dom : Tröstlich

Ein etwas anderes Weihnachtsoratorium: Der Rundfunkchor Berlin und das DSO mit Arthur Honeggers „Le Roi David“ im Berliner Dom.

Tomasz Kurianowicz
Der Rundfunkchor im Berliner Dom.
Der Rundfunkchor im Berliner Dom.Foto: Amin Akhtar

Es wirkt fast wie eine Fügung, dass sich der Rundfunkchor Berlin Arthur Honeggers Komposition „Le Roi David“ für das diesjährige Weihnachtskonzert ausgesucht hat. Jenes mächtige, zutiefst menschliche Oratorium für Chor und Orchester, das den turbulenten Aufstieg und Fall des israelischen Königs David erzählt. Die Stimmung im Berliner Dom ist weihnachtlich und doch spürbar getrübt wegen des Terroranschlags in Berlin. Trost findet sich in der Musik – wenn sie die richtige Tonlage trifft. Genau das passiert an diesem Abend: Unter der Leitung des Niederländers Gijs Leenaars gelingt dem Ensemble ein grandioser Auftritt.

Das deutsche Symphonie-Orchester spielt hochkonzentriert, präzise und über alle Maßen ausgewogen. Der Chor verinnerlicht die dramatischen Folgen der Komposition – das Pendeln zwischen Erzähler-, Sänger- und Chornummern – im musikalischen Ringen mit sich selbst. Auch die Solisten überzeugen mit herausragenden Darbietungen: so der australische Tenor Steve Davislim, der Davids Biografie, den Kampf gegen Goliath, seinen anschließenden Übermut sowie seinen tragischen Tod mit kräftiger, kunstvoll abgerundeter Stimme wiedergibt.

Arthur Honeggers Sinfonischer Psalm von 1922: nicht pompös, sondern elegant

Die Sopranistin Iwona Sobotka zieht da mit lyrischen, fein ziselierten Einsätzen mit. Auch Christine Lichtenbergs Gesang geht ins Herz. Der positive Gesamteindruck mag zudem an den berührenden Textzeilen liegen, die von heroischen Kriegsfanfaren über den Hirtenpsalm bis zur Erinnerung an die Kürze des Lebens reichen: „Ach, der Mensch, vom Weibe geboren, lebt nicht lang! Die Straße, die er geht, wie so mühsam ist sie und voller Traurigkeit.“

Der Schweizer Arthur Honegger hat 1922 ein Oratorium geschaffen, nicht pompös, sondern elegant. Jede Zeile spiegelt unaufgeregt den Widerspruch des Menschseins in bestechender Balance zwischen Nähe und Distanz, Zuversicht und Zweifel. Am Ende bittet der Dirigent Gijs Leenars das Publikum, zum Gedenken an die Opfer vom Breitscheidplatz mit dem Chor „Stille Nacht“ zu singen. Sehr leise, behutsam, aus tausend Kehlen, ein bewegender Moment.

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