Kultur : Weimarer Bilderstreit: Erfolg für Künstler

KATJA WINCKLER

Im Streit um die Weimarer Ausstellung "Aufstieg und Fall der Moderne" hat jetzt ein Künstler, der die Abhängung seiner Arbeiten durchsetzen wollte, einen ersten wichtigen Erfolg errungen.Wie der Berliner Anwalt, Peter Raue, gestern auf Anfrage mitteilte, haben sich die Ausstellungsmacher der Weimarer Kunstsammlungen bereit erklärt, die in der Ausstellung gezeigten Werke Hubertus Giebes spätestens am kommenden Montag abzuhängen.Ein mögliches Einstweiliges Anordnungsverfahren sei damit abgewendet.

Wie berichtet, sehen einige der Künstler ihre Werke wegen der dichten Hängung auf grauer Plastikfolie sowie der räumlichen Nähe zur ausgestellten NS-Kunst denunziert.Nun muß juristisch geklärt werden, ob die Künstler ein Recht darauf haben, ihre Werke zurückzuziehen, auch wenn diese sich nicht mehr in ihrem Besitz befinden.Nach Ansicht des Berliner Anwalts Winfried Bullinger, der mittlerweile in dieser Sache neun Künstler vertritt, "liegt das Urheberrecht beim Künstler, auch wenn die Bilder nicht mehr das Eigentum des Künstlers sind".Peter Raue sieht das ähnlich."Der Künstler hat das Recht zu sagen, daß sein Bild in dieser Austellung nicht hängen darf." Kein Urheber müsse die dort praktizierte "Entstellung hinnehmen".

Die Organisatoren der Weimarer Ausstellung sehen sich indes mißverstanden.Es gebe bisher noch keine grundsätzliche Entscheidung über das weitere Verfahren, erklärte Sprecherin Susanne Meyer.Zudem bezweifelte sie, ob das Rechtsmittel der Einstweiligen Verfügung hier überhaupt möglich sei.Der Direktor der Weimarer Kunstsammlungen, Rolf Bothe, bedauert die mögliche Entfernung der Bilder."Wir wollen ja keine Hetzjagd auf die Künstler." Heute stelle man einer öffentlichen Diskussion, zu der auch Künstler und Anwälte eingeladen seien.

Herbert Mondry, Vorsitzender des Bundes Bildender Künstler (BBK), rät den Malern ab, an diesem Gespräch teilzunehmen."Die wollen doch nur ein paar kosmetische Veränderungen vornehmen.Aber damit lassen sich die Künstler ein zweites Mal verarschen." Lieber sollten sie den Rechtsweg beschreiten, als "in Selbsthilfe" Bilder abzuhängen.

Der Ausstellungskatalog ist mittlerweile erhältlich.

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