Kultur : Wellenspiel in Stein und Glas

ARCHITEKTUR

Frank Peter Jäger

Seit langem liegt der Regierung der kanarischen Inseln daran, dem Image des Sonnenurlauber-Ziels eine neue Facette hinzu zu fügen – die der Kultur. Die wohl bedeutendste Unternehmung in diesem Sinn ist das Kulturzentrum, das derzeit in Santa Cruz, der Hauptstadt von Teneriffa, erbaut wird. Eine Vorstellung vom Institut für zeitgenössische Kunst und Kultur Oscar Domínguez gibt die Architekturgalerie Aedes East . Der Entwurf stammt von den international renommierten Basler Architekten Jacques Herzog und Pierre de Meuron . Neben einer Galerie bietet das in Form von drei länglichen, ineinander geschachtelten Baukörpern organisierte Gebäude reichlich Platz für Wechselausstellungen und die Inselbibliothek.

Das Ausgangsmotiv für das Wechselspiel zwischen Oberflächentextur und Raum liefert eine blinkende Wasseroberfläche. Verfremdet durch extreme Aufrasterung, gibt das Wellenbild das Muster ab für eine Perforation aus Punkten und Streifen, die die Architekten in die hohen, ansonsten fensterlosen Außenfassaden legen. Während tags die Sonne durch die löchrige Wand ins Haus tritt und mal dichte, mal fein gestreute Flecken aus Licht ins Innere projiziert, ist es bei Dunkelheit umgekehrt das Haus, das die Umgebung beleuchtet. Solche Konzepte von Transparenz ziehen sich als roter Faden durchs Werk der Basler. Ob sie mit ihrem neuesten Werk über die Imitation eigener Motive hinauswachsen, wird man wissen, wenn das Gebäude 2005 fertiggestellt ist (Hackesche Höfe, Rosenthaler Straße 40/41, bis 6. April. Katalog 10 €).

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