Kultur : Welt-Klimagipfel: "Erst 80 Prozent weniger Treibgas nützen dem Klima"

Der Konferenzpräsident[hatte eine],Jan Pronk[hatte eine]

Der Klimawandel hat längst begonnen. Das weiß keiner besser als Hans-Joachim Schellnhuber, der Direktor des Potsdam Instituts für Klimafolgenforschung. Er rang mit der deutschen Delegation in Den Haag vergeblich um ein Klimaschutzabkommen.



Der Konferenzpräsident, Jan Pronk, hatte einen Vorschlag gemacht, wie die Industriestaaten ihre zugesagten Klimaschutzverpflichtungen einhalten können. Wäre damit der Ausstoß an Treibhausgasen überhaupt noch reduziert worden?

Es sah so aus, als könnten die Industriestaaten, allen voran die USA, ihren Kohlendioxid-Ausstoß sogar noch vergrößern.

Hätte ein solches Konferenzergebnis dem Klima überhaupt genützt?

Auch die 5,2 Prozent Verminderung der Treibhausgasemissionen, die auf der Vorgängerkonferenz in Kyoto beschlossen worden sind, würden dem Klima kaum etwas nützen. Der globale Temperaturanstieg würde nur um ein zehntel Grad Celsius vermindert. Aber selbst wenn hier nur ein Prozent Emissionsreduzierung herausgekommen wäre, oder sogar eine Steigerung um zwei Prozent wäre der Trend stabilisiert worden. Und das wäre ein wichtiges Signal gewesen, wenn der Trend schon nicht umgekehrt werden kann. Die Alternative wäre, dass alle weitermachen wie bisher. Aber in Wirklichkeit brauchen wir eine Reduzierung von Treibhausgasen um 80 Prozent, um eine Destabilisierung des Klimas zu mindern.

Warum hätten sich die Regierungen dann mit so schwachen Vereinbarungen zufrieden geben sollen?

Sie können gar nicht anders. Das Klimaproblem ist ein globales Problem, das gemeinsam gelöst werden muss. Den Haag hat auch eine stark symbolische Bedeutung: Es wäre das erste Mal gewesen, dass die Welt in einer internationalen Vereinbarung beweist, dass sie ein komplexes ökologisches Problem angehen kann. Im Anschluss bräuchte es aber viel weiter gehende Vereinbarungen. Und auch die Entwicklungsländer, die bisher keine Reduktionsziele haben, müssten schnell ins Boot gebracht werden.

Die sagen aber zurecht, dass sie das Problem nicht verursacht haben.

Ironischerweise sind sie die ersten, die die Folgen des Klimawandels zu spüren bekommen. Wenn die tief liegenden Inselstaaten im Pazifik ihre Küstenstreifen mit Dämmen schützen wollten, müssten sie 20 bis 30 Prozent ihrer gesamten Wirtschaftsleistung, also ihres Bruttoinlandsprodukts, investieren. Deshalb ist es zwar gut, dass in Den Haag erstmals über die Anpassung an die Klimaveränderung gesprochen und auch ein entsprechender Hilfsfonds diskutiert wurde. Doch er wäre vollkommen unterfinanziert gewesen. Er wäre schätzungsweise mit 200 Millionen bis 300 Millionen Dollar im Jahr bestückt worden.

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