Welterbe in Gefahr : Hilfe aus Berlin

Der Berliner Verein World Heritage Watch will der Unesco beim Schutz von Welterbestätten unterstützen - und lokalen Akteuren eine stärkere Stimme geben.

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Die schwarze Flagge des "Islamischen Staats" weht über den antiken Ruinen von Palmyra.
Die schwarze Flagge des "Islamischen Staats" weht über den antiken Ruinen von Palmyra.Foto: AFP

„Palmyra hat das Weltkulturerbe ins öffentliche Bewusstsein gerückt, so traurig das ist“, sagt Stephan Dömpke, Vorsitzender von World Heritage Watch, einem neuen Berliner Verein zum Schutz des Weltkulturerbes – das nicht nur in Syrien in Gefahr ist. „Das System Weltkulturerbekonvention ist verbesserungswürdig“, mein t Dömpke. „Wir müssen für das Weltkulturerbe das tun, was Greenpeace für den Naturschutz macht“. Also die Zivilgesellschaft stärker einbinden.

Der Verein hat zum Ziel, weltweites Engagement für Weltkulturerbe zu stärken und lokalen Akteuren eine Stimme zu geben. Auch will er beim Welterbeabkommen mehr Rechte für die Zivilgesellschaft erstreiten, das heißt für NGOs und die Vertreter indigener Völker. Die Unesco, so Dömpke, brauche Unterstützung, denn sie sei fast pleite, seit die USA wegen des Beitritts Palästinas ihren Mitgliedsbeitrag nicht mehr zahlen. Der Verlust von 25 Prozent des Budgets hatte zur Folge, dass in der Pariser Zentrale statt 41 nur noch 26 Mitarbeiter tätig sind. Zugleich wächst die Zahl der Weltkulturerbestätten unaufhörlich, zur Zeit liegt sie bei 1007. Jedes Jahr kommen weitere 20 dazu, demnächst wieder bei der 39. Tagung des Welterbekomitees am 28. Juni in Bonn.

Wie notwendig es ist, die Zivilgesellschaft bei der Beobachtung des Weltkulturerbes zu beteiligen, illustriert Dömpke am Beispiel der albanischen Stadt Gjirokastra mit 600 einzigartigen Häusern aus dem 19. Jahrhundert. Eine griechische Professorin besuchte sie im Auftrag der Unesco. Nach den Meetings lud man sie weit außerhalb zum Essen ein, bis es dunkel war und sie abreisen musste. So wurde verhindert, dass sie die Stätte überhaupt zu sehen bekam. In ihrem Bericht war dann positiv vermerkt, dass der Staat Millionen in den Straßenbau gesteckt habe. Dass die Straßen mit Beton ausgegossen waren – was sich für eine Kulturerbestätte verbietet – , wusste sie nicht.

Verlässliche zivile Informanten vor Ort können World Heritage Watch über solche Missstände informieren. Der Verein will dann die Unesco auf das Problem aufmerksam machen und von sich aus agieren, die Informanten bleiben anonym. „Wir brauchen Korrektive zu den Regierungsberichten, wir brauchen eine Watch bei den Komitee-Sitzungen, auf denen man sich gegenseitig die Untaten genehmigt“, sagt Dömpke. Es sei ein offenes Geheimnis, dass 50 Prozent der Entscheidungen gegen den Rat der Fachgremien fallen.

Am 26. und 27. Juni veranstaltet der Verein seine eigene Konferenz mit NGO-Vertretern und Vertretern indigener Völker, um Empfehlungen zur Mitwirkung der Zivilgesellschaft auszuarbeiten. Auch um das Management des Welterbes und seiner Funktion als Touristenmagnet geht es. Fachleute aus der Entwicklungszusammenarbeit sollten daher künftig beteiligt werden. „Wir wollen dazu beitragen, dass die Unesco besser agieren kann“, so Dömpke.

Weitere Informationen unter www.world-heritage-watch.org

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