• Weltkirchenkonferenz: Bischöfin Margot Käßmann über die Suche nach der eigenen Rolle

Kultur : Weltkirchenkonferenz: Bischöfin Margot Käßmann über die Suche nach der eigenen Rolle

Sind Sie mit den Ergebnissen der Weltkirchenkonfer

Margot Käßmann (42), ist Bischöfin der Landeskirche Hannover.

Sind Sie mit den Ergebnissen der Weltkirchenkonferenz zufrieden?

Viele Fragen sind sehr kreativ diskutiert worden, auch kontroverser als auf den letzten Tagungen. Die strittigen Themen sind auf den Tisch gekommen.

Welche sind das?

Die Frage der Gewalt als letztes Mittel, wenn Menschenrechte verletzt werden. Dazu gab es sehr unterschiedliche Meinungen. Ich bin nicht der Meinung, dass Gewalt Konflikte löst, sie zieht eher neue Gewalt nach sich. Hier müssen wir noch aufrichtiger diskutieren.

Auch über die Stellung der orthodoxen Kirchen wurde gestritten. Die Orthodoxen stellen im Weltkirchenrat ein Drittel der Gläubigen. Aber im Zentralausschuss sind sie nicht mit einem Drittel vertreten?

Ja, da soll es ja demnächst eine Lösung geben. Es soll jetzt eine Zahl an orthodoxen Plätzen bereitgestellt werden, die sich auch nach der Zahl der Gläubigen richtet.

Welche Themen sind ausgespart worden?

Die Globalisierung ist nicht angemessen diskutiert worden. Ich hätte mir gewünscht, dass deutlicher gesagt worden wäre, was die Rolle der Kirche weltweit als Alternative bei der Globalisierungsfrage ist.

Was wäre die Rolle?

Ich denke, der ökumenische Rat der Kirchen kann sich der Verantwortung nicht entziehen, dass er weltweit die Stimme der Kichen einzubringen hat. Es reicht nicht, wenn Kirchen nur mit Kirchen sprechen. Sondern die Positionen der christlichen Kirchen muss der Weltkirchenrat auch nach außen vertreten. Als Stimme aller nicht römisch-katholischen Kirchen. Eine der zentralen Aufgaben des ÖRK.

Hätte die Kirche beim Weltwirtschaftsgipfel in Davos dabei sein müssen?

Ich finde, der Weltkirchenrat sollte dort auf jeden Fall präsent sein, nach den Chancen suchen und sein Wort einfordern, weil er aus der Perspektive der Menschen berichten kann und nicht nur aus der der Unternehmen und Konzerne. Die Kritik an Weltbank und der Welthandelsorganisation wurde zwar ständig wiederholt, aber sie muss spezifisch sein, damit sie extern diskutiert werden kann. Sonst wird die Diskussion leicht abgewürgt mit dem Argument, die Kirchen verstehen davon ohnehin nichts.

Am Ende der Konferenz in Potsdam wird die Dekade zur "Überwindung der Gewalt" eröffnet, sie löst die Dekade "Kirchen in Solidarität mit den Frauen" ab. Ist da alles zu Ende diskutiert worden?

Auf keinen Fall. Ich wünsche mir, dass die jetzige Dekade die vorangegangene fortsetzt. Weil sich gezeigt hat, dass das Thema Gewalt gegen Frauen in allen Ländern von sehr großer Bedeutung ist. Ich denke an Zwangsprostitution und Frauenhandel, da steht noch viel auf der Tagesordnung.

0 Kommentare

Neuester Kommentar