Kultur : Weltkulturerbe in Gefahr: Jahresbericht in Berlin vorgestellt

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Vor der weltweiten Gefahr der Zerstörung unersetzlicher Kulturdenkmäler warnte Michael Petzet, Präsident des ICOMOS-Nationalkomitees Deutschland, gestern in Berlin bei der Vorstellung des „Weltreports Denkmäler in Gefahr 2001/2002“. ICOMOS, der Internationale Rat für Denkmäler, veröffentlicht diesen Report nach 2000 zum zweiten Mal. Er beruht auf den Mitteilungen der nationalen Komitees, ist also in Umfang und Aussagekraft von deren Tätigkeit abhängig. In diesem Jahr sind über 60 Länder im Weltreport vertreten. Die öffentliche Aufmerksamkeit gilt in erster Linie den Schauplätzen kriegerischer Gewalt, wie dies besonders bei der Sprengung der Buddha-Statuen im afghanischen Bamiyan durch die Taliban im März 2001 der Fall war. Petzet lenkte gestern das Augenmerk auf weniger beachtete, doch gleichermaßen vandalistische Akte wie die Sprengung der über 2000 Jahre alten Stele von Metera in Eritrea. Nicht minder große Gefahr droht Stätten, die scheinbar wohl verwahrt sind; Petzet wies auf den Fall von Pompeji und Herculaneum hin, wo durch Vernachlässigung und touristische Übernutzung „skandalöse Zustände“ herrschten.

Im deutschen Bericht wird auf problematische Baupläne für die Altstadt von Lübeck hingewiesen, aber auch auf Berliner Nöte wie Schinkels Elisabethkirche, die Landesdenkmalpfleger Jörg Haspel gestern bis 2003 baulich zu sichern und für Veranstaltungen nutzbar zu machen versprach. Im kommenden „Weltreport“, so Petzet, könnte Dresden Erwähnung finden, wo das Ausmaß der Schäden durch das derzeitige Hochwasser noch überhaupt nicht abzusehen sei. Der „Weltreport“ hat neben den Gefährdungen allerdings auch positive Entwicklungen zu vermelden. Petzet hob insbesondere die Wiederaufbaumaßnahmen in Afghanistan hervor, die unter anderem vom Auswärtigen Amt mitfinanziert werden. BS

Heritage at Risk. ICOMOS World Report 2001/2002 on Monuments and Sites in Danger. K.G. Saur Verlag, München 2002. 58 €.

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