Weltkulturerbe : Unesco entscheidet über Dresden, Köln und Regensburg

In den nächsten beiden Wochen wird die Unesco über den Verbleib des Kölner Doms und des Elbetals um Dresden in der Welterbeliste entscheiden. Regensburg begehrt zudem eine Aufnahme.

Berlin - Seit 15 Jahren bemüht sich Regensburg um die prestigeträchtige Aufnahme in die Welterbeliste der Unesco. Ihre mehr als 3000 Seiten umfassende Bewerbung hat die Stadt an der Donau abgegeben und hofft jetzt auf positive Antwort, nachdem die erste Bewerbung 1994 abgelehnt worden war. Doch es gibt zwei Fälle in Deutschland, bei denen der einmal zuerkannte Titel sogar wieder aberkannt werden könnte: beim Dresdner Elbtal und dem Kölner Dom. Am Mittwoch und Donnerstag trifft sich die Deutsche Unesco-Kommission zu ihrer Hauptversammlung in Hildesheim, um sich mit der Umsetzung der Welterbekonvention in Deutschland zu befassen.

Zwei Wochen später tagt in Litauen das Unesco-Welterbe-Komitee, das über die Neuaufnahmen in die Liste des Welterbes oder in die Rote Liste für gefährdetes Weltkulturerbe entscheidet. «In Vilnius stehen mit Dresden, Köln und Regensburg drei Entscheidungen an, die Deutschland betreffen», sagt der stellvertretende Generalsekretär der Deutschen Unesco-Kommission, Dieter Offenhäußer, im ddp-Gespräch. Noch niemals hat die Unesco den weltweit so heiß begehrten Titel einer Weltkulturerbestätte wieder aberkannt.

In Köln ist man zuversichtlich, dass der Dom im Juli von der Roten Liste gestrichen wird. Im Dezember hatte der Stadtrat die umstrittenen Hochhauspläne für den Stadtteil Deutz aufgegeben und damit eine wesentliche Forderung der Unesco erfüllt. Offenhäußer sieht dagegen noch wichtige Fragen, wie eine Schutzzone oder ein Gesamtkonzept, offen.

Die größte Kathedrale Deutschlands war vor zehn Jahren zum Unesco-Weltkulturerbe ernannt worden. 2004 hatte das Welterbekomitee den Dom auf die Rote Liste gesetzt, da es die Hochhauspläne der Stadt Köln als Gefährdung der «visuellen Integrität des Doms» ansah. Insbesondere durch den geplanten Bau von drei bis zu 120 Meter hohen Bürohäusern sah die Organisation die das Stadtbild prägende Wirkung des Gotteshauses geschmälert. Mehrfach hatte das Komitee mit der Streichung aus der Welterbeliste gedroht. Dagegen hatten sich Vertreter der Stadt vehement gewehrt. Erst als sich abzeichnete, dass sich die geplanten Immobilien kaum erfolgreich vermarkten ließen, erfolgte ein Umdenken.

Große Probleme bereitet das Dresdner Elbtal. Es befindet sich erst seit Juli 2004 auf der Unesco-Liste des Welterbes. Die aus dem 18. und 19. Jahrhundert stammende Kulturlandschaft des Elbtals in Dresden umfasst etwa 18 Kilometer von Schloss Übigau im Nordwesten bis zum Schloss Pillnitz und zur Elbe-Insel im Südosten. Mittelpunkt ist das Zentrum Dresdens mit seinen zahlreichen Monumenten und Parks. Der geplante Bau der Waldschlösschenbrücke über die Elbe könnte das Komitee zur Aberkennung des Welterbe-Status veranlassen. «Sobald der erste Brückenpfeiler gesetzt wird, könnte dies geschehen», sagt Offenhäußer.

Der Brückenbau wurde bis zum Sommer zurückgestellt. Im Februar 2005 hatten sich die Dresdner in einem Bürgerentscheid mehrheitlich für die Brücke ausgesprochen. «Dadurch sind wir verpflichtet, zu bauen. Nichts kann das aufheben», sagt Bürgermeister Herbert Feßenmayr (CDU). Lediglich ein neuer Bürgerentscheid oder eine Zweidrittelmehrheit des Stadtrates könnte das Vorhaben stoppen. Eine negative Empfehlung könne dazu führen, dass die Stadt auf die Rote Liste der Unesco gesetzt werde, sagt Feßenmayr. Eine Aberkennung des Welterbe-Status sei aber auch ohne vorherige Aufnahme in die Rote Liste möglich, betont Offenhäußer.

Wie das Welterbe-Komitee im Juli in allen drei deutschen Fällen entscheiden wird, sei völlig offen, sagt Offenhäußer. «Die Wartburg bei Eisenach in Thüringen ist in ihrem Status als Welterbe zumindest nicht gefährdet», betont er. Mit dem Bau von Windrädern vor der Wartburg hatten die Gegner des Windparks den Verlust des Unesco-Weltkulturerbetitels befürchtet. (tso/ddp)

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